1 Monat Weltreise – so fühlt es sich bisher an
Es ist nun etwas mehr als ein Monat vergangen, seit Leon und ich aus Berlin aufgebrochen sind, um uns auf das Abenteuer Weltreise einzulassen. Wir haben unsere Jobs gekündigt, Berlin und unsere liebsten Menschen fürs Erste hinter uns gelassen. In der Zwischenzeit ist so unglaublich viel passiert – und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Für mich der perfekte Moment, um ein erstes Fazit zu ziehen und meine Gedanken und Gefühle zur bisherigen Reise zusammenzufassen. Davon gibt es eine Menge!

In den vergangenen fünf Wochen haben wir fünf Länder und zehn Orte bereist, unzählige inspirierende Menschen getroffen – Bekannte wie auch Fremde –, neue Aktivitäten wie Freediven und Surfen ausprobiert, unsere ersten Krankheiten überstanden, tiefere Einblicke in fremde Kulturen gewonnen und sogar ein Retreat besucht. Wenn ich die Wochen nun gedanklich Revue passieren lasse, kommt es mir verrückt vor, wie viel wir in so kurzer Zeit erlebt haben. Wir lieben und leben es – und können gleichzeitig noch kaum fassen, dass das gerade unser Leben ist. Das Gefühl liegt irgendwo zwischen tiefer Dankbarkeit, Demut und einer seltsamen Angst, die schwer zu beschreiben ist. Vielleicht kommt sie dem Gefühl am nächsten, dass das alles zu schön ist, um wahr zu sein, oder dass wir wissen, es wird irgendwann enden.
Wie es uns bisher ergangen ist
In den ersten Wochen unserer Reise, vor allem in Japan, fühlte sich alles noch wie ein gewöhnlicher Urlaub an. Wir hatten diese Zeit gut durchgeplant, nicht so sehr aufs Geld geachtet und wollten so viel wie möglich unternehmen. Doch schon in Japan merkten wir, dass sich diese Reise anders anfühlt als ein Urlaub. Normalerweise lassen wir Sorgen, Alltagsprobleme und unerledigte Themen in Berlin zurück. Auf einer langen Reise wie dieser geht das schlecht, und so wurden wir eiskalt damit konfrontiert. Gerade am Anfang führte das zu Reibungspunkten – mit uns selbst, aber auch zwischen uns. Wir hatten zudem einige Fails in der Reisevorbereitung, die besonders für Leon eine Herausforderung waren. Dazu kam, dass unsere Routinen aus Berlin nicht mehr existierten, wir mussten uns eine völlig neue Struktur erarbeiten. Wie genau, wussten wir erst einmal nicht. Aber wir merkten schnell, dass wir Schritt für Schritt unseren Weg finden würden. Nach jedem mentalen Tief folgte ein umso schöneres Hoch, und uns wurde klar: Diese Reise wird uns mehr lehren, als wir anfangs dachten.

Das wurde uns besonders bewusst, als wir unsere Reise auf den Philippinen fortsetzten. Plötzlich hatten wir keinen festen Plan mehr, dafür einen Taifun mit reichlich Regen, unsere ersten Erkältungen und deutlich weniger Komfort. Wieder die Erkenntnis: Diese Reise ist alles andere als ein Urlaub. So kam es das erste Mal vor, dass einer von uns beiden sagte: „Ich habe keinen Bock mehr.“ Ich hatte mich die ganze Zeit gefragt, wie lange es dauern würde – und es waren genau drei Wochen! Doch sobald die Worte ausgesprochen waren, merkten wir, wie falsch sie waren. Schließlich beschweren wir uns über absolut luxuriöse Probleme und dramatisieren Kleinigkeiten, wie die Frage, wohin wir als Nächstes reisen sollen. Das klingt im ersten Moment für viele vielleicht abgehoben, aber war für uns eine ungewohnte Überforderung. Plötzlich stehen einem fast alle Möglichkeiten offen und man will so viel.
Inzwischen sind viele dieser Themen leichter geworden, und die anfangs ebenfalls intensiven Gefühle von Zweifel, Angst oder sogar Wut (über uns selbst) treten weiter in den Hintergrund. Stattdessen überwiegen nun Gefühle von Freiheit, Selbstbestimmung, Mut, Stolz, Interesse, Neugier, Liebe, Verbundenheit, Inspiration, Freude, Spaß und so vieles mehr.
Ist es deswegen jetzt immer einfach? Ganz sicher nicht. Auch wenn die Reise (vor allem auf Bildern) nach ganz viel Spaß, schönen Momenten und traumhaften Orten aussieht, spiegelt das nicht die ganze Realität wider. Tatsächlich sind wir oft erschöpft, das ständige Suchen und Wechseln von Orten und Unterkünften ist anstrengend, und wir werden weiterhin mit unseren eigenen Ängsten und Glaubenssätzen konfrontiert. Auch wenn Leon und ich schon lange zusammen sind, haben wir unterschiedliche Bedürfnisse, für die wir ständig Kompromisse finden müssen. Einerseits ist das ein schöner Prozess, andererseits aber auch ein Aspekt, der sehr anstrengend sein kann. Leon und ich haben gelernt, uns selbst mehr Geduld zuzugestehen und das Tempo der Reise anzupassen, denn oft wollen wir beide viel zu viel. Mittlerweile zählt für uns weniger, welche Orte wir besuchen, sondern mehr, wie wir uns dort fühlen, mit wem wir uns umgeben und welche Erlebnisse wir teilen. Schon nach so kurzer Zeit hat sich so viel in mir und an meiner Wahrnehmung verändert, was mich umso gespannter darauf macht, wie ich in einem Monat über die Reise schreiben werde.
Ein Paar unserer bisher schönsten Momente
Japan
- Als wir in Osaka ankamen und von meinem Bruder und seiner Freundin abgeholt wurden (+ der Abend und nächste Morgen, den wir gemeinsam verbracht haben)
- Der Ausflug nach Nara und die Besichtigung unserer ersten japanischen Tempel
- Das traditionelle Ryokan in Hida und die erste Nacht mit den Hintergrundgeräuschen des Regens
- Für mich: alleine im Onsen zu sein und die Sonne auf meiner Haut zu spüren während ich in den heißen Quellen sitze und der Natur lausche
- Als wir spontan einen Ring in Kyoto für uns in Handarbeit erstellen lassen haben
- Ein gemeinsamer Barabend in Shibuya, Tokyo








Philippinen
- Die Ankunft in unserer ersten Unterkunft auf Siquijor – weil wir uns so sicher und geborgen gefühlt haben und beide wussten, dass das hier richtig ist
- Der Besuch bei der Schamanin auf Siquijor – hier haben wir das erste Mal innere Ruhe gespürt
- Als wir über eine halbe Stunde mit dem Roller in den Sonnenuntergang auf Siquijor gefahren sind
- Der Besuch unseres ersten Wasserfalls auf Siquijor mit einem local guide – es hat so viel Spaß gemacht!
- Der letzte Tag auf Siquijor, als wir Freediven waren







Indonesien
- Der erste Sonnenuntergang in Bali mit anschließendem leckeren indonesischen Essen in einem Warung
- Als wir beide die erste Welle beim Surfen in Canggu geritten haben
- Die erste Yoga Stunde beim Surf & Yoga Retreat, bei dem wir waren – besonders aufgrund der tollen Lehrerin
- Ankunft in Ubud im Basundari Retreat – dieser Ort hat Energie, Seele, wunderbares Personal und ist so eine Inspiration und Erholung



Ein paar unserer bisherigen Herausforderungen
- Der Moment, an dem wir feststellten, dass wir viel zu viel Gepäck dabeihaben….
- Der erste Taifun auf den Philippinen
- Wirklich darauf zu verzichten, Dinge vorzuplanen und es zu akzeptieren, wenn etwas schief geht – ergo Kontrolle loszulassen
- FOMO händeln (es gibt zu viel zu sehen und zu tun), um uns selbst nicht zu überfordern
- Entscheidungen zu treffen für die Weiterreise
- Den eigenen Freiraum zu wahren und Bedürfnisse klar zu kommunizieren
- Gesunde Ernährung und regelmäßig Sport (not possible at all!)
- Akzeptieren, wenn man krank ist und der Körper Ruhe braucht – “geplante” Unternehmungen dann eben ausfallen lassen
- Im Moment leben, wenn man doch so viel teilen und festhalten will
Ein paar unserer bisherigen Erkenntnisse
- Ich habe erneut gemerkt, wie sehr ich es liebe, Kulturen kennenzulernen, Gespräche mit Menschen zu führen und Qualität über Quantität zu stellen. Ich möchte lieber länger an einem Ort bleiben und mich auf das einlassen, was noch unentdeckt ist. Und noch mehr mit locals connecten!
- Wir haben erkannt, dass wir uns manchmal zu ernst nehmen und uns zu viele Gedanken darüber machen, was andere von uns denken könnten. Deshalb erinnern wir uns jetzt gegenseitig daran, dass das egal ist und versuchen, jeden Tag einmal unsere Komfortzone zu verlassen.
- Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, mit nur so wenig Dingen unterwegs zu sein – gerade weil ich das Gefühl habe, dass ich immer noch zu viel dabei habe.
- Ich habe gelernt, dass mein starker Wille manchmal hinderlich ist, wenn ich etwas zu sehr möchte.
- Sowohl Leon als auch ich brauchen inzwischen ein paar Tage, um an einem Ort oder in einer neuen Kultur anzukommen. Es ist wichtig, uns die Zeit zu geben und weniger während der Zeit zu tun.

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