Phillipinnen: Ups & downs, aber Siquijor hat mein Herz!
Es ist 7:31 Uhr morgens, ich sitze hier in einem Café am Flughafen in Dumaguete und warte auf den Weiterflug nach Manila, um von dort nach Bali zu gelangen. Leon ist gerade losgegangen, um beim Bäcker noch ein paar Snacks zu holen, da wir bereits eine Fährfahrt hinter uns haben. Genug Zeit, um die letzten Tage auf Siquijor Revue passieren zu lassen.
Wie in meinem vorherigen Beitrag sicher gut herüberkam, war die anfängliche Zeit auf den Philippinen für uns herausfordernd. Für die Weiterreise zweifelten wir anfangs sogar, ob wir wirklich nach Siquijor fahren sollten – der Taifun machte es uns schwer, und die hohen Wellen flößten insbesondere mir Angst ein. Sowohl Leon als auch ich hatten jedoch von Beginn an eine innere Stimme, die uns sagte: Diese Insel müsst ihr besuchen. Und was soll ich sagen? My heart is full.

Ironischerweise dauerte es ein paar Tage, bis ich bemerkte, was diese Insel mit uns und mir gemacht hat. Siquijor wird auch die „Healing Island“ genannt; ich würde dem noch „The Learning Island“ hinzufügen. So oder so: Die Energie auf der Insel ist wirklich unglaublich. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal in so kurzer Zeit so vielen Ängsten gestellt habe, so oft aus meiner Komfortzone gegangen bin und mich gleichzeitig so frei und selbstbestimmt gefühlt habe.
Hier ein paar Dinge, die wir in den Tagen erlebt haben:
- Wir waren bei einer Schamanin (dafür ist die Insel bekannt) und hatten eine wirklich verrückte Erfahrung.
- Wir waren schnorcheln und haben unseren ersten Riffhai gesehen, zudem viele wunderschöne Fische und blaue Seesterne.
- Wir haben einen Freediving-Kurs belegt, und ich kam bereits auf über 15 Meter Tiefe.
- Ich habe mehrmals morgens am Strand Yoga praktiziert, meist nur mit zwei anderen Personen, und hatte eine sehr inspirierende Yoga-Lehrerin.
- Wir haben beide gelernt, Scooter zu fahren, und sind jeden Tag mindestens eine Stunde über die Insel gebrettert.
- Wir haben Freundschaften mit ganz vielen Hunden, Geckos und leider auch Spinnen geschlossen.
- Wir waren in mehreren Wasserfällen schwimmen, sind in Höhlen getaucht und von Lianen und anderen Erhöhungen gesprungen.
- Wir haben die schönsten Sonnenuntergänge seit Langem gesehen und sind mit dem Roller in den Sonnenuntergang gefahren.
Siquijor war für uns definitiv erst eine Liebe auf den zweiten Blick, aber dafür eine richtige. Denn hier haben wir zum ersten Mal gefühlt, dass wir im Reisen und in unserem neuen Leben angekommen sind. Hier haben wir vor Verzweiflung geweint und ebenso vor Freude. Hier haben wir an einem Tag so viele Emotionen erlebt, wie lange nicht mehr. Und genau das haben wir gebraucht.

Wie war die Planung der Reise?
Im Gegensatz zu Japan war die Planung auf den Philippinen und insbesondere auf Siquijor super easy. Es gibt genügend günstige und gute Unterkünfte, und wir haben fast alles spontan gebucht. Fährtickets konnte man vor Ort kurzfristig kaufen und einen Rollerverleih gab es bei jeder Unterkunft für 5 Euro am Tag.
Siquijor war für uns eine angenehme Insel, denn man hat keine allzu langen Wege und es gibt eine gute, aber nicht übermäßige Infrastruktur. Es gibt ein paar gute Restaurants, und man trifft immer wieder dieselben Reisenden – ergo, es gibt nicht zu viele Touristen. Man muss wirklich gar nichts planen und kann einfach das easy island life leben. Man fühlt sich sofort wohl und geborgen; die Locals sind zuvorkommend und hilfsbereit. Ich hatte das Gefühl, dass wir auf Siquijor wirklich in die philippinische Kultur eintauchen konnten.
Was sind unsere Eindrücke von Siquijor & den Philippinen?
Die philippinische Kultur würde ich als gemächlich, einfach, lebensfroh und unterstützend beschreiben. Die Menschen leben in sehr einfachen Häusern, viele davon in Wellblechhütten. Die Leute versammeln sich nicht zuhause, sondern an öffentlichen Plätzen. Es wird unter freiem Himmel auf einer Art Sportplatz gemeinsam Fernsehen geschaut, draußen Billard gespielt oder anderen Hobbys nachgegangen. Es gibt überall Hunde – also wirklich überall. Die Insel ist gesäumt von Palmen, in der Mitte ein riesiger Berg, umgeben von wunderschönen Sandstränden und steilen Klippen. Im Inselinneren gibt es unzählige Wasserfälle und Höhlen. Es gibt eine große Freedive-Community, und das Meer scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Am Wochenende (aber auch unter der Woche) dröhnt laute Musik aus verschiedenen Ecken der Insel. Karaoke ist auch auf den Philippinen ein großes Thema. Was mich immer wieder aufs Neue gerührt hat: Der Gesang war teilweise wirklich schrecklich. Trotz allem standen ALLE (!) Filipinos, haben dazu getanzt, geklatscht und Spaß gehabt. Wenn man mit dem Scooter über die Insel fährt, sieht man auch morgens um elf Uhr eine Gruppe junger Männer, die sich trifft, um spontan Karaoke zu singen. Ein bisschen mehr von dieser Kultur, bei der das Gefühl beim Singen im Vordergrund und die “Performance” gepaart mit der eigenen Scham im Hintergrund steht, würde ich mir in Deutschland und Europa wünschen! Dazu kommt auch die große Supporter-Kultur, welche die Filipinos haben. Sobald jemand eine coole Idee hat oder international etwas bekannt wird, erhält diese Person von allen Seiten große Unterstützung und wird gefeiert. Selbst in kleinen Orten arbeitet man zusammen, statt gegeneinander. I LOVE it!
Trotz allem bleibt bei mir der Eindruck, dass Filipinos ziemliche Machos sein können und Frauen (insbesondere blonde Frauen) extrem beäugt und fast immer angesprochen werden. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass das auf Siquijor viel weniger schlimm ist als in Moalboal. Laut Aussagen anderer soll man den Einheimischen auch nicht ganz trauen können. Bisher kann ich das allerdings nicht nachvollziehen, da wir diese Erfahrung nie gemacht haben. Eher im Gegenteil: Absprachen wurden immer eingehalten und Hilfe gab es schnell. Das Einzige, was ein wenig nervt: Man muss fast immer verhandeln, um den richtigen Preis zu bekommen. Das ist jedoch meist eine einfache Angelegenheit, da man nur eine Runde drehen muss und nicht mehrere.
Um das Thema Kultur abzuschließen, fehlt für mich ein weiterer wichtiger Aspekt: Essen! Ihr wisst, ich liebe Essen. Und ich hatte meine Zweifel, denn zuvor hieß es, dass es auf den Philippinen keine richtige Esskultur gibt und das Essen generell nicht so gut ist. Zugegebenermaßen war ich anfangs geschockt. In einem und demselben Restaurant ist es üblich, dass es Filipino Food, mexikanisch, Pizza, Burger und mehr gibt. Die meisten Restaurants haben Bewertungen von 4,5 bis 4,9, aber die Fotos sind oft grauenhaft. Wir haben uns dann wieder auf unser Bauchgefühl verlassen und ein paar Orte gefunden, an denen man vegetarisch, lokal und auch lecker essen kann. Schlussendlich war ich fast schon positiv überrascht: Es gibt doch eine philippinische Esskultur, es wird sehr saisonal und regional gekocht, und ich habe alles ohne Probleme vertragen. Ich habe eigentlich jeden Tag Salat, Eier oder Ähnliches gegessen. Ich verstehe trotz allem, dass die Philippinen in puncto Essen im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern leider wirklich hinterherhinken. Mein Highlight: die kleinen Bäckereien, in denen man für 50 Pesos, also umgerechnet 70 Cent, über 10 Gebäckstücke bekommt, die wirklich ultra lecker sind.



Wie ist unser Fazit zu Siquijor bzw. den Philippinen?
Mein Fazit zu den Philippinen und insbesondere Siquijor ist daher viel positiver als anfangs gedacht. So positiv, dass ich jetzt richtig traurig bin, das Land schon wieder zu verlassen. Denn ein großer Minuspunkt auf den Philippinen: Hier zu reisen ist anstrengender als in anderen asiatischen Ländern, und es war einfacher, nach Bali zu kommen als nach Siargao (einer Insel im Westen des Landes). Nach der Buchung für den Flug nach Bali wurde uns dann klar, dass das eigentlich egal ist, weil wir alle Zeit der Welt haben. Genau das mussten wir aber wohl lernen. Für uns ist klar: Wir kommen wieder! Wer auf die Philippinen reist, sollte meiner Meinung nach unbedingt einen Stopp auf dieser kleinen süßen Insel machen, anstatt die Orte anzusteuern, die eh schon von Touristen überlaufen sind. Hier findet man ein einfaches Leben fernab vom Trubel, das entspannt ist und trotzdem so viel bereithält, dass wir in einer Woche nicht alles geschafft haben. Nicht umsonst hat Siquijor den Spitznamen Stick-ijor.
P.s.: hier gibt es noch paar weitere Facts über die Philippinen und Siquijor, die hilfreich sind.
Siquijor & Philippinen Tipps
Meine must-do’s
- Sunset am Paliton Beach und in der Jungle Kindom Loge ansehen
- Besuch im Ananda Ashram Wellness Vibe
- Freediving ausprobieren und generell tauchen gehen (am besten bei Freediving Nomands & Apo Divers)
- Einen entspannten Tag am Sabas Beach machen
- Von Klippen springen, z.b. am Saladoong Beach (must do!) oder Pitago Cliffs
- Zu den Wasserfällen gehen: Lugnasnon Falls, Kawasaan Falls, Lagaan Falls
- Im Bukid Café die Aussicht genießen
- Schnorcheln bei der Tulapos Marine Sanctuary
- 1 Stunde Massage für 5 Euro gönnen (gibt es überall!)
- Auf den Mount Badilaan fahren und noch Halt bei Caves machen oder beim Butterfly Sanctuary
- In Moalboal (Cebu) mit Sardinen tauchen oder schnorcheln
- Was ich noch für andere Inseln besuchen würde: Siargao, Palawan & Balabac
Hilfreiche Facts
- Die Philippinen sind extrem groß und die Wege weit! Es gibt über 7.500 Inseln, manche Fähren fahren über einen Tag lang.
- Man kann eigentlich nur Cash bezahlen, also benötigt man immer eine große Summe philippinischer Pesos
- Das Englischlevel der Philippinen ist aufgrund der Historie extrem gut. Dasselbe gilt für Spanisch – mega angenehm!
- Der Großteil der Philippinen ist katholisch, es gibt überall kleine Kirchen und man merkt, dass die Religion hier einen etwas anderen Einfluss hat als in den buddhistischen und hinduistischen Ländern Asiens.
- Man muss an jedem Strand, Wasserfall und ähnlichem Eintritt bezahlen, meist zwischen 20 und 100 Pesos pro Person. Meistens auch für das Abstellen eines Scooters.
- Es gibt mehr Scooter auf der Insel als Autos. Eigentlich fährt jeder hier Scooter. Gerne auch mit Hund, zu dritt oder schon mit 14 Jahren.
- Es gibt wirklich überall Scooter Verleihe für ca. 5€ am Tag. Hier fährt übrigens niemand außer Touristen mit Helm.
- TukTuk heißen hier Tricycle und sind improvisiert, mit einem Anbau an ein normales Motorrad.
- Man hupt immer vor dem Überholen anderer Autos oder Scooter und auch beim Vorbeifahren an Hunden. Man fährt hier sehr defensiv.
- Ube und Calamansi sind die Früchte, die die Philippinen definieren. Auf deutsch: Traube und eine Art Zitrone. Alles damit ist einfach köstlich!
- Filipinos lieben Kitsch und laute Musik – gerne auch bis spät in die Nacht. Also Augen auf bei der Wahl der Unterkunft
- Die philippinische Hunderasse wird von Filipinos nicht gemocht, deshalb sieht man zwar öfter wunderschöne und gepflegte Golden Retriever, aber ganz viele Streuner.
- Es gibt immer kostenloses, gefiltertes Servicewater. Es wird zudem nur mit diesem Wasser gekocht. Hier kann man also problemlos alles essen.
- Auf den öffentlichen Toiletten nutzt man öfter noch Wasser zum Schöpfen.
- Die meisten Orte sind spanisch benannt
- Es gibt hier überall Sportplätze, wo sich die Leute treffen.
- Es gibt immer wieder Paraden von Kindern oder Vereinen, zudem sind Beerdigungen extrem groß: hunderte von Scooters und Autos fahren hinter dem Sarg her.
- Die Preise sind hier doch sehr moderat. Ein schickes Zimmer kostet pro Nacht so 40 bis 50 Euro und Essen in einem „Touristen“-Restaurant kostet ebenfalls so 5 Euro, im local Restaurant so 2 bis 3 Euro. Fruchtsäfte liegen so bei 1,50 und Cocktails bei 3 bis 4 Euro.
Links, die wir während der Reise genutzt haben
- Meine Philippinen Liste bei Google Maps: https://maps.app.goo.gl/akNzNZkF3Hrwswaf6?g_st=ia
- Geschichte & Hintergrund zu den Philippinen in 8 Minuten: https://www.youtube.com/watch?v=De08VKktvJ4
- Phillipino Cuisine History: https://www.youtube.com/watch?v=lw3_W5X1t54
- 10 wirklich spannende Fakten über die Philippinen: https://www.youtube.com/watch?v=9WPC8O_lfzc
- Gute Tipps: https://globewanderers.com/siquijor-travel-guide/

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