Unser Fazit zu 9 Monaten Weltreise

9 Monate Reisen – für viele klingt das wie ein Traum, der in Erfüllung geht. Auch für Leon und mich war diese Reise etwas, das wir uns lange gewünscht hatten. Gleichzeitig war es aber auch ein Schritt, der sich für uns ganz natürlich anfühlte. Auf eine gewisse Weise war es wie ein Traum – allerdings einer, der uns mit mehr Realitäten konfrontierte, als uns manchmal lieb war.

Während der gesamten Reise habe ich versucht, unsere Erlebnisse ehrlich und nahbar zu schildern – manchmal in einzelnen Beiträgen, manchmal in kleinen Zwischenfazits darüber, wie es uns gerade geht. In diesem Artikel möchte ich die gesamte Reise noch einmal Revue passieren lassen und – neben den Highlights der Länder und Erlebnisse – auch darauf eingehen, wie wir uns fühlen und was die Reise mit uns gemacht hat. Denn eines kann ich sicher sagen: Die neun Monate vergingen so viel schneller, als wir gedacht hätten. Währenddessen fühlten sie sich an wie gerade einmal drei Monate – und jetzt, im Rückblick, wie drei Jahre.

Doch bevor ich auf all das eingehe, möchte ich erst einmal die Frage aller Fragen beantworten – die, die neben „Was war euer Highlight?“ wirklich jeder stellt: Wie war die Reise?

Die Reise war intensiv, emotional, abenteuerlich, ereignisreich, lehrreich, augenöffnend, anstrengend, wunderschön, erfüllend, vielseitig, einfach – und trotzdem herausfordernd. Sie war verrückt. Und noch so viel verrückter, als ich sie mir je hätte vorstellen können!

17 Länder in 9 Monaten

Am 3. Oktober sind Leon und ich vom BER über Frankfurt in Richtung Shanghai geflogen. Damals wussten wir noch nicht so recht, was uns erwarten würde. Zwar hatten wir Wünsche, Erwartungen – ach, sogar Vorsätze –, aber absolut keine Ahnung, dass am Ende doch vieles anders kommen würde.
Wir hatten uns all diese Dinge vorher aufgeschrieben, und rückblickend wäre es vielleicht hilfreich gewesen, zwischendurch mal wieder einen Blick darauf zu werfen. Unter unseren Vorstellungen stand zum Beispiel: „Abwechselnd Reisen & Leben – z. B. je zwei Monate reisen und je einen Monat leben/arbeiten.“ So wirklich haben wir das nicht geschafft. Und um ehrlich zu sein: Wir hatten es im Eifer der Reise beide komplett vergessen.

Und so kam es irgendwie dazu, dass wir in den neun Monaten ganze 17 Länder bereisten! Doch irgendwie verrückt. Wobei man sagen muss: In manchen Ländern waren wir nur sehr kurz – vor allem dort, wo wir nur eine Metropole besucht haben. Zum Beispiel in China (Shanghai und Hongkong), Malaysia (Kuala Lumpur) oder Singapur.

Hier eine Auflistung der Länder in chronologischer Reihenfolge:

  1. China (Shanghai & Hongkong)
  2. Japan (Osaka, Hida, Kyoto, Tokyo)
  3. Philippinen (Cebu, Siquijor)
  4. Indonesien (Bali, Lombok, Molukken)
  5. Vietnam (Südvietnam mit Ho-Chi-Minh & Hội An und Nordvietnam mit Vinh, Ninh Binh, Hanoi, Ha Giang Region)
  6. Thailand (Bangkok, Ko Samui, Ko Jum)
  7. Malaysia (Kuala Lumpur)
  8. Singapur
  9. Australien (Adelaide, Kangaroo Island, Sydney)
  10. Französisch-Polynesien (Tahiti, Moorea, Bora Bora)
  11. Mexiko (México City, Tepotzlán, Monterrey)
  12. Guatemala (Antigua, Lake Atitlán, Acatenango)
  13. Panamá (Santa Catalina, Valle de Antón, Panamá City, San Blas Inseln)
  14. Kolumbien (Cartagena, Cali, Amazonas, Pasto, Ipiales)
  15. Ecuador (San Gabriel, Ibarra, Quito & Esmeraldas)
  16. Tunesien (Tunis, Kelibia, Sahara mit Tozeur, Douz, Matmata)
  17. Marokko (Essaouira, Taghazout / Tamragth, Taroudant, Atlas Gebirge, Agafay Wüste, Marrakech)

Rückblickend kann ich sagen: Jap, wir haben extrem viel gemacht und extrem viel gesehen. Gerade am Anfang waren wir doch mehr von FOMO getrieben, als wir zugegeben haben. Wir dachten regelrecht: „The more, the merrier.“ Naja – irgendwann haben wir von allein gemerkt, wie anstrengend das ist. Dass weniger mehr ist. Und manchmal kamen dann auch unvorhergesehene Dinge dazwischen – zum Beispiel ein Tropensturm, der uns zwang, mal langsamer zu machen.

Leon und ich hatten aber oft das Gefühl, dass uns nicht nur FOMO antreibt, sondern auch unser grundsätzliches Interesse als Menschen, die seit zehn Jahren im Tourismus arbeiten.
Ich wollte unbedingt verschiedene Großstädte der Welt kennenlernen, mit möglichst vielen Fluggesellschaften reisen, Flughäfen sehen – und die vielfältigen Facetten des Tourismus erleben. Ich wollte alle Arten von Unterkünften sehen, alle Arten von Reisenden beobachten.
Manchmal fühlte es sich ein bisschen an wie eine persönliche Recherche. Zugegeben, das klingt etwas schräg – und viele werden das vielleicht nicht nachvollziehen können. Aber für uns war es ein echter Treiber. Und genau dieser führte am Ende wohl dazu, dass wir tatsächlich 17 Länder bereisten – und unser ursprüngliches Modell von „zwei Monate reisen, ein Monat an einem Ort“ komplett über Bord geworfen haben. Würden wir es heute anders machen? ALLERDINGS! Aber dazu später mehr.

Ein Rückblick auf die Monate

1. Monat: Oktober (China, Japan, Hongkong & Philippinen)

Der Oktober war der Start unserer Reise – und damit auch der Monat, in dem wir mit Abstand am meisten unternahmen. Wir starteten in Shanghai, reisten durch Japan, machten einen Stopp in Hongkong und entspannten (bei gleich zwei Tropenstürmen) auf den Philippinen – vorwiegend auf der Insel Siquijor. Ich möchte hier nicht noch einmal auf jeden Ort im Detail eingehen, weil ich dazu bereits einzelne Beiträge geschrieben habe. Aber ich möchte erzählen, wie ich diesen Monat rückblickend betrachte.

Wir starteten unsere Reise genauso, wie wir auch die Monate und Jahre zuvor gelebt haben – ganz nach dem Motto: Mehr ist besser. Alles muss möglichst schnell und möglichst toll sein. Wer sich zu sehr erholt, verpasst etwas. Und noch viele andere solcher Überzeugungen. Rückblickend hatten wir Glück, dass uns die Tropenstürme auf den Philippinen auf den Boden der Tatsachen geholt haben – und uns die Ruhepause schenkten, die wir dringend nötig hatten.

Denn der Oktober zeigte uns auch: Ständig Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig zu reisen – das ist gar nicht so einfach. Um ehrlich zu sein: Die erste große Entscheidung, wohin wir als Nächstes fliegen, fiel mir unglaublich schwer. So schwer, dass sie mich in eine kleine Sinnkrise stürzte.

Trotz allem erlebten wir in diesem Monat so viele wunderschöne Dinge – und lernten vor allem Japan und die Insel Siquijor lieben.

Highlights im Oktober: Bei unserer Ankunft in Osaka meinen Bruder und seine Freundin in die Arme schließen, den ganzen Tag durch Kyoto spazieren und immer wieder aufs Neue erstaunt sein, der erste Besuch eines japanischen Gartens in Nara & bei den ersten Sonnenstrahlen nach dem Tropensturm mit dem Roller durch Siquijor fahren, unser erstes Mal Freediving und baden im Wasserfall auf Siquijor

2. Monat: November (Bali & Lombok in Indonesien)

Da sich das Wetter auf den Philippinen nicht besserte, beschlossen wir schweren Herzens, das Land zu verlassen und weiter nach Indonesien zu fliegen – genauer gesagt: nach Bali. Während ich Bali in meinem Kopf total überromantisierte, merkte ich ziemlich schnell, dass nicht alles so schön ist, wie man es sich oft vorstellt. Ich musste an das Paris-Syndrom denken – und konnte es zum ersten Mal richtig gut nachvollziehen.

Im November lernte ich deshalb, das erste Mal auf dieser Reise mit Enttäuschungen umzugehen und meine Sichtweise zu verändern. Daran zu glauben, dass es trotzdem einen Grund gibt, warum wir auf Bali gelandet sind – und das Beste darin zu sehen. Scheinbar war einer der Gründe, nach Bali zu reisen, der, dass wir von dort nach Lombok weiterfuhren. Denn dort hatten wir eine der besten Zeiten der gesamten Reise.

Wir verbrachten drei Wochen auf der Insel – und in keinem anderen Ort blieben wir so lange wie in Kuta. Das hatte zur Folge, dass wir das erste Mal so richtig „herunterkamen“. Und genau dadurch eröffnete sich ganz neuer Raum in uns. Denn wir merkten: Je mehr freie Zeit man hat, desto mehr beschäftigt man sich auch mal mit unangenehmen Dingen. Und damit meine ich Themen des Selbst – oder der Beziehung. Themen, die man im Alltag gut in Arbeit ersticken kann. Oder in sozialen Events. Oder in tausend anderen Dingen, die man besonders gut in Berlin tun kann.

Lombok wurde für Leon und mich dadurch auch ein bisschen zur Bewährungsprobe unserer Beziehung. Aber: Es war ein wichtiger Punkt. Ohne ihn hätte die ganze Reise nicht dieselbe Tiefe und Wandlung gehabt.

Trotz allem genossen wir Lombok sehr. Wir gingen surfen, machten Yoga, relaxten am Strand – und setzten zum ersten Mal gemeinsam ein Projekt für ein Hotel um. Wir aßen unglaublich viel Eis und schauten die wunderschönsten Sonnenuntergänge von einem Felsen über dem Meer an. Lombok ist und bleibt für mich, trotz aller emotionalen Herausforderungen, die Insel, auf der ich zum ersten Mal ein richtiges Gefühl von Leichtigkeit verspürt habe.

Highlights im November: als ich mir in Ubud (Bali) mein Tattoo stechen ließ, die Yoga-Einheiten in dem Yoga & Surf-Retreat auf Bali, als ich eine Welle von 25 Sekunden in Lombok ritt, ein unglaublich schöner Sonnenuntergang in Lombok, unser Besuch bei den Reisterrassen in Tetebatu mit unzähligen tollen Begegnungen mit den Locals

3. Monat: Dezember (Molukken auf Indonesien, Vietnam & Bangkok)

Während wir in Lombok in den Tag lebten, sehnten Leon und ich uns plötzlich nach einem „richtigen Abenteuer“. Als wäre es bisher zu langweilig gewesen. Das stimmte natürlich nicht – aber es zeigt ganz gut, wie getrieben wir anfangs noch waren. Was uns immer klarer wurde: Wir hatten Lust auf Außergewöhnliches. Auf das, was nicht jeder macht. Und weniger auf das, was ohnehin jeder kennt – und was dadurch oft überlaufen ist.

Durch einen Zufall hörten wir von Banda Naira, einer kleinen Insel der Molukken in Indonesien. Also buchten wir von Lombok aus Flüge dorthin und bereiteten alles für die – zugegebenermaßen recht umständliche – Anreise vor. Von Ambon, der Hauptinsel der Molukken, fährt nämlich nur einmal die Woche eine Fähre nach Banda Naira.

Unser Plan war perfekt durchdacht – doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung.
Leon und ich standen – wie so oft – vor der Entscheidung: Machen oder nicht machen? Solche Entscheidungen fielen uns oft schwer. Wir wollten uns nicht von Angst abhalten lassen, hatten aber Angst. Wir wollten keine falsche Entscheidung treffen (damals dachten wir noch, es gäbe falsche Entscheidungen). Und wir wollten natürlich auch nichts verpassen.

Vor allem aber: Es ist einfach schwer vorherzusehen, wie sich das Wetter entwickelt – und wie sehr sich dadurch die ganze Reise verändern kann. Mir fiel immer wieder auf, dass es mir im Business-Kontext viel leichter fiel, Entscheidungen zu treffen, als auf dieser Reise. Eine spannende Erkenntnis – und eine, die mich bis zum Ende begleiten sollte.

Am Ende entschieden wir uns gegen Banda Naira (was im Nachhinein gut war, denn dort regnete es wohl eine Woche lang durch) – und für eine andere Insel, auf der wir unglaubliche Momente erleben durften. Auch das war eine Lektion, die wir im Dezember lernten: dass die schönsten Erlebnisse oft die sind, bei denen man keine Ahnung hat, was auf einen zukommt.

Leichter fiel uns dann die Entscheidung, wohin es als Nächstes gehen sollte: nach Vietnam.
Wir landeten in Ho-Chi-Minh-Stadt, verbrachten dort zur Abwechslung mal drei Nächte voneinander getrennt (hoch lebe der Freiraum!) und schlängelten uns dann wieder gemeinsam von dort bis hoch nach Hanoi.

Vietnam kam – wie wir – mit einigen Ups and Downs. Ich hatte viele Erwartungen an dieses so beliebte Land. Und wurde öfter mal enttäuscht – oder besser gesagt: überrascht. Gerade im Norden begegneten uns die Menschen oft weniger gastfreundlich, als wir es von anderen Reisenden gehört hatten. Und wir hatten naiverweise nicht mit so viel Armut gerechnet. In Hanoi – nach Weihnachten und zum Ende unserer Vietnam-Reise – haute es mich dann zum ersten Mal richtig um. Ich war nicht krank, aber völlig antriebslos. Ich merkte, dass alles zu viel war. Und dass wir uns in Vietnam kaum Zeit zum Erholen genommen hatten. Wir hatten versucht ein möglichst schönes Weihnachten für uns zu kreieren, und dabei viel zu viel Energie hineingesteckt, statt einfach den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Unser Weihnachten war am Ende absolut unperfekt und sogar skurril. Und wir merkten es dort, dass es so egal war, wo wir waren. Weil wir uns hatten. Und genau das spürte ich in Hanoi zum ersten Mal. Dass wir zu viel Energie in unwichtige Dinge steckten. Und dass uns bereits drei Monate Reisen in den Knochen stecken. Also nahm ich mir Zeit zum verarbeiten und nichts tun. Verließ das erste Mal für mehrere Tage nicht wirklich die Wohnung und genoss ebendiese Situation.

Highlights im Dezember: Dschungelwanderung in Pulau Seram auf den Molukken, Schnorcheln auf Pulau Seram auf den Molukken, unser getrennter Aufenthalt in Ho-Chi-Minh, mit dem Fahrrad durch den Van Long Nationalpark fahren, Silvester in Bangkok

4. Monat: Januar (Bangkok, Ko Samui, Ko Jum & Kuala Lumpur)

Wir starteten den Januar in Bangkok: Leon verkatert, ich euphorisiert. Ich hatte Lust auf das neue Jahr – und eine wilde Silvesterparty lag hinter uns. Doch irgendwie lag auch ein kleiner Schatten über uns. Denn wir wussten, dass wir uns für den Großteil des Januars räumlich trennen würden.

Nachdem wir uns in Bangkok einfach treiben ließen – wir kannten die Stadt schon (und ich muss sagen: Ein zweiter oder dritter Besuch ist oft sogar noch besser als der erste!) –, trafen wir uns mit ein paar Freunden auf Ko Samui. Das war besonders schön, weil ich das Gefühl von echter Verbundenheit mit anderen Menschen während der Reise wohl am meisten vermisst hatte. Doch die gemeinsamen Tage vergingen schnell – und wir verabschiedeten uns. Leon zog weiter nach Ko Lanta, während ich auf Ko Samui mein Yoga-Teacher-Training

Drei Wochen vergingen wie im Flug – und rückblickend kann ich sagen, dass uns diese Auszeit voneinander nach den intensiven Monaten zuvor unglaublich gutgetan hat. Leon machte seinen ersten Solo-Trip und merkte dabei, wie schön und wertvoll es ist, alleine zu reisen. Und ich bildete mich weiter – und fand durch die intensive Praxis über diesen langen Zeitraum nochmal einen ganz neuen Zugang zu mir selbst. Rückblickend bin ich wirklich froh und allen voran stolz auf uns, dass wir diesen doch eher unüblichen Schritt trotz der gemeinsamen Reise gegangen sind – denn er hat uns nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch so viel Raum für Neues geschenkt.

Nach dem Yoga Teacher Training fühlte ich mich regelrecht beflügelt. Vielleicht auch, weil ich währenddessen bemerkte, wie viel Energie es mir gibt, Yoga zu unterrichten. Mit diesen vibes bin ich dann nach Ko Jum gereist, wo ich weitere Freundinnen getroffen habe (wir hatten eine sehr tolle und unterhaltsame Zeit ahhhh) und dann nach Kuala Lumpur. Dort entschied ich mich das erste Mal dazu, alles touristische zu ignorieren und nur das zu machen, worauf ich wirklich Lust habe. Also ging ich shoppen, trank fancy Bubble Teas, suchtete alle Folgen Emily in Paris (habe mir extra eine Airbnb mit Netflix geholt haha!) und machte die beste Streetwalking Foodtour während der gesamten Reise!

So bemerkte ich im Januar zum ersten Mal eine Entwicklung bei Leon und mir und in unserem Reisestil – wir wurden neugieriger und machten mehr von den Dingen, die unseren Bedürfnissen entsprachen.

Highlights im Januar: Treffen mit Philip, Jasmin und Jana auf Ko Samui, unzählige Sonnenaufgänge während der Yogapraxis über dem Meer, der Graduation-Day beim YTT, Treffen mit Ingrid auf Ko Jum und die Streetfood-Walking-Tour in Kuala Lumpur

5. Monat: Februar (Singapur, Australien & Französisch-Polynesien)

Im Februar sahen Leon und ich uns nach knapp einem Monat in Singapur wieder. Es tat gut, sich wiederzuhaben – und gleichzeitig brachte genau dieser Moment seine Herausforderungen mit sich. Denn wir mussten erst wieder lernen, uns aufeinander einzuschwingen, unsere individuellen Entwicklungen zu integrieren. Singapur war dafür – zugegeben – nicht der ideale Ort. Wir hatten uns vorgenommen, Singapur in drei Tagen zu erkunden – und kamen kaum dazu. Doch gerade darin lag ein wichtiger Wendepunkt für uns: Gespräche, die früher vielleicht Arbeit oder Alltag zum Opfer gefallen wären, rückten nun an erste Stelle. Diese Erfahrung hat mir dann auch gezeigt, wie subjektiv Reisen ist. Wie sehr Orte durch unsere eigene Gefühlslage gefärbt werden. Und wie wichtig der Kontext ist – manche Städte sind einfach nicht der richtige Rahmen für tiefe Gespräche. Vielleicht ist das also ein weiterer Grund, weshalb mich die Stadt nicht wirklich begeistert hat. Ich nannte sie oft das Dubai Asiens – beeindruckend, ja, aber mir fehlte die Authentizität, der echte Vibe.

Mit diesen Erkentnissen flogen wir weiter nach Australien – Leons Eltern warteten dort auf uns. Zumindest sollten sie das. Ein Unwetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, und so landeten wir kurzerhand spontan in Adelaide. Dort warteten sie dann wirklich – und was folgte, war eine Zeit, die ich kaum in Worte fassen kann. Adelaide und besonders Kangaroo Island waren einfach wundervoll. Wieder zeigte sich: Die unerwartetsten Erlebnisse sind oft die schönsten. Mit vollem Herzen reisten wir weiter nach Sydney – eine Stadt, die uns vollkommen in ihren Bann zog. Wären unsere kommenden Monate nicht schon so durchgeplant gewesen, wir wären vielleicht geblieben. Obwohl wir nur zwei Wochen da waren kann ich definitv sagen: ich liebe Australien!

Doch es wartete ein neues Abenteuer: Französisch-Polynesien. Ein Ort, von dem ich so lange geträumt hatte – und der wirklich am anderen Ende der Welt liegt. Unsere Ankunft auf Tahiti war allerdings alles andere als traumhaft. Es regnete, das Meer war nicht türkis, sondern grau. Kurzzeitig dachten wir: Vielleicht haben wir uns geirrt. Vielleicht war das (mal wieder) alles überromantisiert.

Dann kam Moorea. Und mit der Fähre, die uns dorthin brachte, kam auch das Gefühl an: das ist das Paradies. Französisch-Polynesien hatte etwas magisches. Eine Energie, die sich nicht beschreiben lässt. Wir waren so ruhig, so entspannt wie lange nicht mehr. Die Tage verflogen nicht – sie flossen. Alles fühlte sich leicht an. Einfach. Gut.

Als wir dachten es wird nicht mehr besser, kam Bora Bora. Alleine der Flug dorthin war wie aus einem Bilderbuch. Bei der Ankunft dann die Gewissheit: das noch klarere, türkisblaue Meer. Unser Overwater-Bungalow. Ich konnte kaum glauben, was ich sah. Leon und ich genossen diese zwei Tage in vollen Zügen – in einer glücklichen Bubble, die sich anfühlte, als müsste danach nichts mehr kommen.

Der Februar begann zwar mit Schwere, doch je weiter er voranschritt, desto mehr wich sie einer neuen Leichtigkeit. Einer, die wir so noch nicht kannten. Das machte den Februar zu einem der schönsten Monate unserer Reise.

Highlights im Februar: Wiedersehen mit Leon in Singapur, Besuch auf Kangaroo Island mit Leons Eltern, Sunset-watching in Sydney mit anschließender Comedy Show im Opera House, die erste Erkundung auf Moorea, Schnorcheln und Tauchen mit Haien und Rochen in Moorea, der Flug nach Bora Bora, der erste Tag in unserem Overwater Bungalow auf Bora Bora

6. Monat: März (Méxiko & Guatemala)

Von Tahiti flogen wir über Los Angeles nach Mexiko. Genauer gesagt México City. Eine Stadt, die ich schon so lange besuchen wollte – die aber das komplette Gegenteil von Bora Bora darstellte. Während ich gerade diese Zeilen schreibe, frage ich mich, wie wir auf die Idee kamen, dass das eine gute Idee sein könnte. Es war zumindest keine schlechte – denn mein Bruder und seine Freundin waren auch in der Stadt, und allein das Wiedersehen mit den beiden war so besonders und hat unsere Reise nach Mexiko so sehr geprägt. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass die beiden da waren, denn ohne sie hätten wir wahrscheinlich nicht viel gemacht. Denn wir hatten beide weder Energie noch Lust, irgendwas zu planen, herauszusuchen oder Ähnliches.
Die Stadt erinnerte mich extrem an Berlin – nur zehnmal so groß. Allein diese Erkenntnis zeigte mir, dass ich definitiv noch keine Lust habe, zurück nach Deutschland zu kehren. Doch so schön die Zeit mit Jan und Chrissie war, so schwer fühlte sich die Zeit zunehmend an, ab dem Zeitpunkt, als sie die Stadt verließen. Das Hoch aus Französisch-Polynesien war, glaube ich, ein so krasses Hoch, dass es nur zu einem „Fall“ kommen konnte. Wir brauchten Ruhe und Erholung, also fuhren wir aus der Stadt heraus und machten mal wieder gar nichts.

Ich bemerkte, dass der sechste Monat der war, in dem ich anfing, mir Gedanken über die Zukunft zu machen. Darüber, was uns zurück in Deutschland erwarten würde. Ungefähr eine Woche lang machte ich mir Stress damit, grübelte und hatte Angst. Ich bemerkte das in subtilen Handlungen bei mir selbst und darin, wie ich Momente, die ich eigentlich genießen wollte, nicht in der Fülle genießen konnte.
Wir gingen auf ein Shakira-Konzert und ich freute mich unheimlich darauf – zeitgleich empfand ich so viel Stress und war an dem Abend unausstehbar (sorry, Leon!).

Also entschied ich mich dazu, alle Zukunftsängste erst mal zu parken und meine Energie wieder auf die schönen Dinge des Reisens zu lenken (was immerhin bis Juni ganz gut klappte).

Mit diesem Gefühl reisten Leon und ich dann nach Guatemala, wo wir eine der entspanntesten Zeiten unserer Reise verbrachten. Ich glaube, wir reisten – bis auf Lombok – nirgendwo so langsam wie in diesem Land und benötigten das rückblickend auch sehr. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum mir Guatemala so gut gefallen hat.

Wir verbrachten viel Zeit in Antigua, das sich als absoluter Expat-Hotspot entpuppte. Dann fuhren wir zum Lake Atitlán, wo Leon und ich erneut Zeit voneinander verbrachten und uns in der Woche noch einmal ganz neu entdeckten. Es machte irgendwie Spaß, „anders“ zu reisen und einen Ort aus wirklich zwei verschiedenen Blickwinkeln zur selben Zeit zu erkunden. Am Ende verbrachten wir aber auch noch ein bisschen gemeinsame Zeit am Lake Atitlán, wo wir aufgrund von mangelnden Unterkünften ein Traumhaus buchten, und erkannten, was in unserem Zukunftszuhause wichtig ist. Mit diesen wertvollen Infos im Gepäck ging es zurück nach Antigua, um auf den Acatenango zu hiken. Dass sich die Wanderung als eines meiner absoluten Highlights der gesamten Reise entpuppte, hätte ich vorher nicht gedacht. Die Natur hält doch immer wieder die schönsten Überraschungen für uns bereit.

Der März half uns, Ängste zu überwinden und anzunehmen, dass wir nicht alles kontrollieren können. Dass wirklich in der Langsamkeit ein großes Geschenk liegt – und dass Highlights zufällig und nicht erzwungen kommen. Achja, und er machte uns noch einmal deutlicher, wie sehr wir die Natur lieben.

Highlights im März: gemeinsame Zeit mit Jan und Chrissi in México City, das Shakira Konzert, mein Mini-Yoga-Retreat am Lake Atitlán, Ecstatic Dance Event mit Leon und das Haus, welches wir am See gemietet haben, eine Begegnung mit einer tollen Person (hallo Phia!)

7. Monat: April (Panamá & Kolumbien)

Nach Februar dachte ich, es kann nicht mehr besser werden – aber dann kam der April. Um ehrlich zu sein, habe ich Anfang April erst den Acatenango bestiegen, somit zählt dieses Highlight eigentlich in diesen Monat.

Nach dieser Erfahrung folgte dann aber erstmal eine ganz große Ernüchterung, als wir in Panama ankamen. Aus irgendeinem Grund romantisierte ich dieses Land total. Und wir quetschten es hinein, weil ich es doch noch sehen wollte, bevor wir mit dem Boot von Panama City nach Cartagena, Kolumbien übersetzten. Also planten wir für nur eine Woche viel zu viele Dinge, verfielen in alte FOMO Muster und waren mehr als frustriert.Die Strände konnten uns nach Französisch-Polynesien (natürlich) nicht wirklich überzeugen, die Wellen waren aufgrund eines Unwetters zu groß, um darauf zu surfen, und generell war das Wetter eher durchwachsen.
Panama war der kleine Reminder an uns, dass, wenn man Dinge nur aus FOMO macht oder gar mit falschen Erwartungen, man eher mit einer Leere als mit einer Fülle zurückgelassen wird. Wie immer war natürlich nicht alles blöd – es waren eher unsere Gefühle zu den Orten, die nicht unbedingt mit dem übereinstimmten, was wir vorfanden.

Nach dem kleinen „Downer“ wurde es etwas besser, als wir in Panama City dann erneut unsere Freundin Ingrid wieder in die Arme schließen konnten. Das Blatt wendete sich aber schon am nächsten Tag, als wir bei der Ankunft unserer fünftägigen Segeltour erfuhren, dass starke Unwetter auf uns zukommen sollten. Ich dachte, ich bin im falschen Film. Noch nie bin ich auf ein Segelboot für mehrere Nächte gegangen, weil ich ANGST davor habe – und weil mir schnell schlecht wird. Da es kein Zurück mehr gab, blieb mir also nichts anderes, als es zu akzeptieren und das Beste aus der Situation zu machen.

Die Tage vergingen wie im Flug und fühlten sich an wie ein Fiebertraum – und rückblickend kann ich sagen, dass es wohl eine der absolut coolsten Erfahrungen der gesamten Reise war. Tabletten halfen und ich musste mich nicht übergeben. Die Angst schärfte meine Wahrnehmung und machte das alles zu etwas ganz Besonderem. Auch, weil ich lange nicht mehr SO stolz auf mich war.

Mit diesem Gefühl ankerten wir in Cartagena, wo erneut Philip und Jasmin sowie zwei weitere Freunde auf uns warteten. Alle waren angereist, um mit mir meinen 30. Geburtstag zu feiern, was mich erneut stolz machte. Zeitgleich merkte ich, wie komisch es sich anfühlt, wieder mit so vielen Personen zu sein, nach so langer Zeit nur zu zweit. Und wie viel Druck man sich doch selbst macht, es allen irgendwie recht zu machen. Ich spürte diesen Druck intensiver, denn je. Trotz allem verbrachten wir ein paar wirklich tolle Tage, die ich in vollen Zügen genoss. Letzten Endes laugten sie mich aber auch so sehr aus, dass ich zwei Tage fast keine Energie mehr hatte. Ich fand meine Energie letzten Endes darin wieder, indem ich allen Freunden auf der Mauer in Cartagena eine Yoga-Session gab.

Damit war ich gewappnet für unser nächstes Abenteuer, das sich Amazonas nannte. Ein weiteres Highlight der Reise und etwas, was mir SEHR viel Angst bereitete. Und ich mir im Traum nicht so schön hätte ausmalen können. Was dieser Ort mit mir und auch mit Leon gemacht hat, lässt sich nicht in Worte fassen. Fünf Tage lang waren wir in einem anderen Modus gefangen, bei dem zwar manchmal die Angst hochkam, primär aber die Überraschung und das Staunen siegte. Denn wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Der April war somit mit Abstand der schönste und aufregendste Monat für uns. Es passierten so viele Dinge, dass wir wussten: Im Mai darf es wieder ruhiger werden.

Highlights im April: der Sonnenaufgang auf dem Acatenango-Vulkan inklusive Sternschuppe, Tauchen mit Haien in Panamá, die Bootsfahrt über die San Blas Inseln nach Cartagena (vor allem, wie wir im Hafen eingelaufen sind), mein 30. Geburtstag in Cartagena, die erste Fahrt mit Freunden auf dem Fluss im Amazonas und die anschließend privat geführte Tour im Amazonas.

8. Monat: Mai (Kolumbien, Ecuador & Tunesien)

Der Mai sollte langsam werden und uns wieder Energie für die letzten Wochen der Reise schenken. Also reisten wir nach Cali, um dort nur ein Ziel zu verfolgen: Salsa zu lernen. Aus drei geplanten Nächten wurden sieben, und wir genossen es, uns einfach durch die Stadt treiben zu lassen. Ich spürte nach dem Amazonas eine so tiefe Verbundenheit in uns – mit uns. Ich spürte Leichtigkeit, und Leon und ich gingen zum ersten Mal seit Start der Reise mehrmals hintereinander aus. Wir tanzten Salsa bis spät in die Nacht hinein und überwanden damit eine ganz große Grenze unserer eigenen Scham.

Mit so vielen Erfolgen flogen wir nach Pasto, um von dort weiter über die Grenze nach Ecaudor zu fahren. In Pasto angekommen, waren wir hin und weg von der Landschaft der Anden. Doch dann fing es an zu regnen, und die Kälte zeigte sich. Wir froren und bereuten, dass wir dorthin reisten. Es stand eine Entscheidung bei mir an, die mich seit der Ankunft in Pasto wurmte und die gesamte restliche Zeit in Kolumbien überschattete. So schnell kann sich eine Gefühlslage ändern, und irgendwie ärgerte mich dieser Fakt. Daher waren wir froh, als wir über die Grenze nach Ecuador liefen und von dort aus dann nach San Gabriel weiterfuhren.

Meine Tante hat dort seit fast 20 Jahren einen Kindergarten aufgebaut, in dem immer Freiwillige helfen können. Also taten wir das auch – für mehrere Tage. Wir beide ahnten nicht (und ich habe dort schon einmal mit 18 gearbeitet), wie sehr uns das berühren würde. Es war zwar auch anstrengend, so viel von den Kindern umgeben zu sein, aber das machte die Liebe derer wett. Zum ersten Mal seit ganz langer Zeit fühlte ich wieder, was es bedeutet, anderen Menschen aus vollem Herzen und ohne Bedingungen zu helfen. Ich kannte das Gefühl noch von früher, doch es fühlte sich noch nie so intensiv an. Ich verstehe jetzt den Grund von Charity noch einmal so, so, so viel mehr.

Nach unserer kurzen Zeit im Kindergarten besuchten wir dann auch meine Tante in Ibarra. Meine Cousine und ihr Freund kamen ebenfalls zu Besuch, und wir verbrachten die Tage mit Ausflügen, Essen, Reden und vielem mehr. Es waren entspannte und zugleich wirklich schöne Tage. Es tat gut, ohne großen Plan Zeit mit der Familie zu verbringen. Und wir genossen es in vollen Zügen.

Damit endete der Mai schon fast wieder – wäre da nicht der verrückte Weiterflug nach Tunesien gewesen. Denn obwohl wir gerne länger in Südamerika geblieben wären (ein bisschen trauere ich noch um Peru), wollten wir den Kontinent wechseln, um einer Hochzeit von Freunden beizuwohnen. Und diese Hochzeit hatte es in sich! Es wurde getanzt, gelacht, gefeiert. Es gab Live-Musik und unglaublich leckeres Essen. Es war definitiv ein Event, das Leon und ich nie in unserem Leben vergessen werden – weil es dafür einfach zu besonders war.

Der Mai half uns also, zur Ruhe zu kommen und noch einmal Kraft für die letzten Wochen zu sammeln. Wir spürten bereits, dass das Ende der Reise naht – und damit auch die Unsicherheit unserer Zukunft.

Highlights im Mai: Tanzen im Salsa-Club in Cali, Arbeit im Kindergarten in San Gabriel, Besuch einer meiner Lieblingsorte Cuycocha in Ecuador, Ausflug mit meiner Familie zum Strand in Ecuador, Wiedersehen mit Freunden in Tunesien sowie natürlich die Hochzeit in Tunesien.

9. Monat: Juni (Tuensien & Marokko)

Und plötzlich war er schon da: der letzte Monat. In Tunesien reisten wir eine Woche durch die Sahara und verdrängten gekonnt alles, was mit der Zukunft zu tun hatte. Die Sahara war einfach zu toll, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich konnte allerdings auch nicht verhindern, dass immer wieder Ängste hochkamen und mich übermannten. Doch so richtig übermannten mich die Gefühle erst, als wir in Marokko ankamen.

Dort waren wir erst gehypt: Essaouira war eine coole Stadt, und ich fühlte mich dort pudelwohl. Doch sobald wir weiterzogen und in Taghazout ankamen, öffneten sich all die Fragen, die ich in den Wochen davor versucht hatte zu verdrängen. Das lag auch daran, dass wir die Stadt nicht ganz so cool wahrnahmen, wie sie hätte sein sollen. Das war zwar sehr enttäuschend, aber vielleicht genau richtig für uns – denn da waren ganz viele Emotionen, die herausmussten.

In meinem Beitrag zu Marokko habe ich geschrieben, dass wir die Pläne mehrmals umgeworfen haben. Das lag auch daran, dass Leon und ich ironischerweise zum Ende der Reise wieder in alte Muster verfallen sind: mehr, mehr, mehr. Doch alles, was wir wollten, war weniger. Wir hatten keine Lust auf großen Trubel, ich wollte einfach nur sein und verarbeiten. Die Trauer über das Ende der Reise da sein lassen – und die Angst vor dem, was kommt. Aber ich wollte auch Dinge erleben und Spaß haben. Also haben wir unsere Reise so verändert, dass genau das der Fall war.

Den Spaß, den ich gesucht habe, fanden wir dann in einem Aquapark – statt stundenlang durch irgendeine Stadt zu laufen. Wir machten Dinge mal so, wie wir sie sonst nie getan hätten, und lernten gerade in den letzten Wochen der Reise so unglaublich viel über uns. Im ersten Moment fühlte es sich so an, als wäre die Reise nach Marokko ein Fehler gewesen. Aber genau in diesen Gefühlen der Reue erkannten wir: Keine Entscheidung ist ein Fehler. Wir lernten etwas dadurch. Wir lernten etwas durch jedes einzelne Reiseziel. Und es war wichtiger denn je, was wir in Marokko über uns selbst lernten.

So konnte ich am Ende der Reise stolz und motiviert nach Hause fliegen. Natürlich war da weiterhin die Angst vor dem Unbekannten – aber auch Zuversicht und Hoffnung. Und am Ende waren da irgendwie auch eine Lena und ein Leon, die so eine verrückte Zeit hinter sich haben und daran extrem gewachsen sind.

Der Juni war für uns – trotz einiger wirklich toller Momente – der schwierigste Monat der Reise und auch der mit den größten Herausforderungen. Es fühlte sich emotional schwer an und verlangte uns viel Energie ab. Immerhin fiel uns damit die Rückreise nach Deutschland einfacher, als wir es erwartet hatten. Als „schlechtes“ Ende sehen wir es trotzdem nicht – denn es war genau das Ende, das wir in der Situation gebraucht haben.

Highlights im Juni: Aufenthalt in der Sahara von Tunesien und Fahrt über den Salzsee (vor allem Tozeur mit einer ganz tollen AirBnb), erster Tag in Essaouira inklusive unserer Begeisterung und dem Sonnenuntergang, Besuch im Aquapark in Marokko, Fahrt durch das Atlasgebirge und der letzte Abend der Reise mit Sonnenuntergang, Besuch in der Eselauffangstation und Farmhotel bei Marrakech

Was waren unsere Highlights?

Ich habe in den Monatsrückblicken ja schon etliche Highlights erwähnt. Und trotzdem fragt einfach jeder: „Was war denn euer absolutes Highlightland?“.
Leon und ich haben darauf mittlerweile eine ganz klare Antwort – ohne großes Zögern: Französisch-Polynesien. Und wenn man es noch etwas konkreter machen möchte: Moorea.

Bootsfahrt auf Moorea

Die Natur, die Menschen, das Meer, die Atmosphäre – all das hat uns auf eine ganz besondere Weise berührt. Moorea war nicht nur traumhaft schön, sondern auch ein Ort, an dem wir uns extrem verbunden fühlten – mit der Welt, miteinander, mit uns selbst. Vielleicht lag es an der Mischung aus Inselgefühl, Freiheit, Kultur und Ursprünglichkeit. Vielleicht auch daran, dass es inmitten unserer Reise lag und wir dort einen Moment des Innehaltens hatten. Wie auch immer – Moorea bleibt für uns magisch.

Natürlich gab es aber auch viele andere Orte, die uns beeindruckt haben. Deshalb haben wir mal versucht, eine kleine Liste zu erstellen – was übrigens gar nicht so einfach war.

Aber hier ist sie: unsere Top 7 Länder – Inseln separat, weil das einfach eine eigene Kategorie ist.

Unsere Top 7 Länder

  1. Französisch-Polynesien
  2. Japan
  3. Kolumbien
  4. Lombok (Indonesien)
  5. Guatemala
  6. Australien
  7. Tunesien

Wenn man die Highlights nicht nur nach Ländern, sondern nach konkreten Erlebnissen aufteilt, sieht die Liste nochmal etwas anders aus. Und um ehrlich zu sein: Es ist sehr schwer, wirkliche Favoriten zu küren – weil so vieles einfach unglaublich besonders war. Ursprünglich wollten wir fünf Highlights aufschreiben, jetzt sind es schon 14. Und wahrscheinlich könnten wir ewig so weitermachen.

Unsere top 14 Erlebnishighlights

  1. Private Tour im Amazonas, Kolumbien
  2. Vulkanbesteigung auf den Acatenango, Guatemala
  3. Schnorcheln mit Haien und Rochen auf Moorea, Französisch-Polynesien
  4. Mein Geburtstag in Cartagena, Kolumbien
  5. Unser Hotel und die entspannte Zeit auf Bora Bora, Französisch-Polynesien
  6. Bootsfahrt über die San-Blas-Inseln, Panama
  7. Besuch auf den Kangaroo Islands mit Leons Eltern, Australien
  8. Mein “Mini-Yoga-Retreat” am Lake Atitlan, Guatemala
  9. Hochzeit in Kelibia, Tunesien
  10. Gemeinsame Zeit mit Jan & Chrissi in México City, Mexiko
  11. Tagestrip nach Nara, Japan
  12. Surfen zum Sonnenuntergang in Lombok, Indonesien
  13. Arbeit im Kindergarten in San Gabriel, Ecuador
  14. Shakira-Konzert in Monterrey, Mexiko

Und um dieses tolle Rating noch um eine kleine, aber feine Kategorie zu ergänzen, kommt hier noch ein kurzer Blick auf die Orte, die uns am meisten überrascht haben – vielleicht gerade deshalb, weil wir vorher kaum eine Vorstellung davon hatten.

Unsere TOP 10 Überraschungsorte

  1. Essaouira, Marokko
  2. Kangaroo Island, Australien
  3. Molukken, Indonesien
  4. Tozeur, Tunesien
  5. Hida, Japan
  6. Siquijor, Philippinen
  7. Koh Jum, Thailand
  8. Ho-Chi-Minh
  9. Van Long Nationalpark, Vietnam
  10. Adelaide, Australien

Was waren unsere Lowlights?

Wo Licht ist, ist auch Schatten – und so hatte auch unsere Reise ihre weniger glanzvollen Momente. Glücklicherweise hielten sich diese in Grenzen: Wir blieben von ernsthaften Krankheiten verschont (ich bin tatsächlich kein einziges Mal richtig krank geworden), und wir wurden weder ausgeraubt noch körperlich verletzt. Vier Lebensmittelvergiftungen (Leon 3, ich 1) sind für ein Jahr Reisen durch alle Klimazonen fast schon ein kleiner Erfolg. Dennoch – unsere wirklichen Lowlights hatten meist mit anderen Menschen oder zwischenmenschlichen Spannungen zu tun.

Unsere top 10 lowlights der reise

  1. Der betrunkene Mann auf Lombok, der uns mit seinem Roller rammte und anschließend mit dem Tod drohte – eine Begegnung, die uns lange nachging.
  2. Der Einbruch in unsere Unterkunft in Kolumbien – und die Gastgeber, die uns mit einem Lächeln weismachen wollten, das sei nie passiert.
  3. Der Moment in Vietnam, als mir der Minibus-Fahrer partout nicht erlauben wollte, auf Toilette zu gehen – während ich kurz vor dem Platzen war.
  4. Ein so heftiger Streit zwischen Leon und mir, dass wir in einer Nacht zwei verschiedene Hotels bezogen.
  5. Leons erste Lebensmittelvergiftung auf Bali
  6. Ein Tag in Marokko, an dem ich plötzlich das Gefühl hatte, wir hätten alles falsch gemacht. Dass wir ohne Geld, ohne Plan, ohne Perspektive zurückkommen würden. Ich war Drama-Queen in Höchstform.
  7. Der Tropensturm auf Cebu (Philippinen), in den wir direkt bei Ankunft gerieten.
  8. Pasto in Kolumbien: tagelanger Regen und eine eiskalte Wohnung ohne richtig abgedichtete Fenster – bei 13 Grad Außentemperatur.
  9. Unsere chaotische Anreise nach Panama, bei der gefühlt nichts funktionierte.
  10. Der erschreckend sichtbare Sextourismus auf Ko Samui, Thailand – besonders in Lamai, wo einige Touristengruppen einfach nur abstoßend wirkten.

Trotz dieser Erlebnisse wäre es unfair, einzelnen Ländern den „Lowlight-Stempel“ aufzudrücken. Ich hatte oben ja einmal erwähnt, wie subjektiv Reisen ist. Denn jeder Ort hat auch schöne Seiten, und unsere Erlebnisse sind einmalig. Was uns nicht gefallen hat, kann für andere der Himmel auf Erden sein. Dennoch gab es ein paar Orte, die für uns einfach nicht das gehalten haben, was wir uns erhofft hatten. Daher hier unsere Liste Orte, die uns enttäuscht haben.

Top 5 Orte, die uns enttäuschten

  1. Singapur
  2. Moalboal, Philippinen
  3. Pasto, Kolumbien
  4. Santa Catalina, Panama
  5. Taghazout, Marokko

Was sich für uns über das Jahr klar gezeigt hat: Natur schlägt Stadt. Auch wenn wir Städte wegen ihrer Cafés, Sportangebote und ihrem Flair oft spannend fanden – nach spätestens drei Tagen sehnten wir uns nach Weite, Ruhe und frischer Luft.

Was haben wir auf der Reise gelernt?

Als ich einmal mit meinem Vater telefonierte, fragte er mich, ob ich nicht Angst hätte, dass wir am Jobmarkt abgehängt werden würden – auch, weil andere Leute ja gerade neue Dinge lernen, es viel neue technologische Entwicklungen gibt und Ähnliches. Ich hatte bis dato nicht daran gedacht – schlichtweg, weil die Liste der Dinge, die wir gelernt haben, so unendlich lang ist. Sie ist inzwischen so lang, dass ich vielleicht einen gesonderten Artikel daraus machen werde.

Was sich mir zeigt: Ich habe vielleicht nicht so viele Hard Skills gelernt (aber auch davon einige!), dafür aber unglaublich viele Soft Skills. Skills, die mir in meinem zukünftigen Leben großen Nutzen bringen werden – und die mir keiner mehr nehmen kann. Skills, die ich ohne diese Reise womöglich nie hätte lernen können – die aber so wichtig sind, um meinen Weg in Zukunft im Einklang mit meinen Werten und mir zu gehen.

Dazu zählt zum Beispiel, dass Leon und ich gelernt haben, wie wir richtig und ehrlich in unserer Beziehung kommunizieren – ohne Vorwürfe, mit Mitgefühl und vor allem mit Offenheit. Wir haben gelernt, weniger Erwartungen an uns und andere zu stellen und uns vom Außen inspirieren zu lassen. Wir haben gelernt, dass weniger mehr ist und wir in der Natur und in der Ruhe unsere Kraft finden. Wir haben gelernt, dass viele Dinge, die wir in der Vergangenheit getan haben, nicht wirklich uns entsprachen – sondern eher den Erwartungen, die wir selbst an uns oder das Außen an uns gestellt haben. Wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, haben wir sogar gelernt, dass die Weltreise ein Medium dafür war, weiterhin Anerkennung zu erhalten und andere Erwartungen eines „guten“ Reisenden zu erfüllen. Während wir das Stück für Stück loslassen konnten, haben wir gelernt, uns selbst ein mehr anzunehmen und zu sehen, wo wir uns immer und immer wieder blockiert haben. Wir haben gelernt, wieder mehr Dinge einfach aus Spaß und Freude zu tun – und wie man Entscheidungen trifft. Wir haben gelernt, uns zu zeigen – und wie viel Energie und Freude es uns gibt, unseren eigenen Schweinehund zu überwinden und aus der Komfortzone herauszugehen.

Nebenbei habe ich gelernt Yoga zu unterrichten, Salsa zu tanzen, meine eigene Stimme beim Schreiben zu finden, ohne Angst im Meer schwimmen zu gehen, richtig zu surfen und wie ich mein Nervensystem in überfordernden Momenten reguliere.

Wenn ich jetzt zurückschaue auf die Lena von damals, fühlt es sich wie ein ganz anderes Leben an. Ich frage mich manchmal, wie ich all das damals geschafft habe. Und vor allem frage ich mich: Wie würde mein Leben jetzt aussehen – ohne all die Dinge, die ich auf der Reise nicht gelernt hätte? Eines ist für mich klar: ein bisschen unehrlicher – und definitiv ein bisschen emotional leerer.

Unser Fazit zu 9 Monaten Reisen

Diese Reise war eines der bedeutendsten Erlebnisse meines bisherigen Lebens – voller unvergesslicher Momente, aber auch voller Herausforderungen. Vor der Abreise hätte ich nie gedacht, dass so viele dieser Herausforderungen emotionaler Natur sein würden. Doch vielleicht ist das nur natürlich, wenn man neun Monate lang unterwegs ist, ständig neue Eindrücke verarbeitet, in der Fremde lebt, Entscheidungen im Minutentakt trifft – und das alles eng verbunden mit dem eigenen Partner.

Würde ich bei einer zukünftigen Langzeitreise manches anders planen? Auf jeden Fall. Aber bereue ich, dass wir diese Reise mit so vielen Etappen und Stationen gefüllt haben? Kein bisschen. Im Gegenteil: Ich glaube fest daran, dass es genau diese Vielfalt an Orten war, die uns so viel gelehrt hat. Denn jeder einzelne Ort hat Spuren hinterlassen. Er hat uns etwas mitgegeben – über andere Kulturen, über Perspektiven, über das Miteinander, über uns selbst. Jeder Stopp hat uns geprägt und uns zu den Menschen gemacht, die wir heute sind.

Für uns war die Reise nicht nur eine Reise. Nicht nur ein Abenteuer. Sie war auch eine gemeinsame Reise in eine neue Tiefe unserer Beziehung – und gewiss eine Reise zu uns selbst. Sie war ein Prozess des Verlernens und Neulernens. Und auch wenn ich jetzt zurück in Deutschland bin, weiß ich: die offizielle Weltreise ist zwar zu Ende, doch die richtige Reise beginnt für uns erst jetzt. Eine Reise zu einem Leben, das wir uns nun wieder aufbauen dürfen – und vielleicht auch mit ein paar weiteren Reisen bis Ende des Jahres. Dazu aber bald mehr.

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