Tunesien: Ein Land, das uns zum Staunen brachte
Bereits vor der Weltreise wurden Leon und ich zu einer Hochzeit von zwei Freunden nach Tunesien eingeladen. Anfangs haderten wir mit uns, denn wir wollten unbedingt so viel Zeit wie möglich in Südamerika verbringen. Letztlich siegte jedoch unser Herz für unsere Freunde – und unsere Neugier auf eine uns noch unbekannte Region: Nordafrika. Also machten wir uns kurzerhand auf den Weg von Ecuador nach Tunesien.

Was ich vorwegnehmen kann: Viel zu wenig Zeit verbrachten Leon und ich in Tunesien. Aber warum? Wir wussten zu wenig über das Land, und zu sehr prägte uns das klischeehafte Image einer reinen All-inclusive-Destination. Doch je länger wir recherchierten, desto mehr merkten wir, wie spannend diese Reise sein könnte. Besonders die Sahara hatte es mir angetan – dorthin wollte ich schon immer!
Tunesien ist vielfältig, kulturell, traditionsreich, lecker, wunderschön und aufregend.
Tunesien ist ein Ort, wo Tee zum Alltag gehört, das Essen immer scharf ist und Datteln, Feigen sowie Pfirsiche täglich konsumiert werden. Tunesien ist, wo das Meer türkisblau schimmert und der Strand wie Puderzucker durch die Finger rinnt. Tunesien ist, wo man in den Medinas ungefähr alles kaufen kann, was man braucht – und die Preise für Touristen mindestens doppelt so hoch angesetzt werden, nur um sie wieder herunterzuhandeln. Tunesien ist, wo gefühlt die Hälfte der Menschen plötzlich Deutsch spricht und man mit Französisch einwandfrei durchkommt. Tunesien ist, wo sich die Sahara in so vielen Facetten erstreckt und man Gelb- und Orangetöne im Überfluss sieht. Tunesien ist, wo die Moscheen mehrmals am Tag ertönen, man aber dennoch problemlos im Bikini am Strand baden kann. Tunesien ist, wo die Straßen viel besser sind, als man je erwarten würde – und dennoch ganz eigene Verkehrsregeln gelten. Tunesien ist, wo man lange warten muss und nichts so richtig funktioniert – und am Ende doch alles seinen Weg geht. Tunesien ist für uns einfach ein unglaublich faszinierendes Land – mit einem Image, das ihm niemals gerecht wird.



Komplizierte Anreise nach Tunis
Von Quito nach Tunis zu gelangen, ist nicht unbedingt die typische Route. Daher haben Leon und ich Prämientickets mit Meilen bei Iberia gebucht (bis Madrid) und anschließend einen regulär bezahlten Flug von Madrid nach Tunis genommen. Der Flug mit Iberia in der Premium Economy war okay, aber nichts Besonderes. Ich konnte keine Sekunde schlafen – was mich zunächst stresste, mir am Ende aber half, das Jetlag zu umgehen. Das Essen war tatsächlich ganz gut, der Service ebenfalls. Nur der Platz und der Sitz dann doch nicht so komfortabel, wie gehofft.
In Madrid angekommen, hatten Leon und ich knapp acht Stunden Aufenthalt. Nach dem langen Flug war das ziemlich lästig und nervraubend, vor allem, weil wir neu einchecken mussten – und weil der Flughafen in Madrid so großflächig verteilt ist. Als wir dann endlich im Flugzeug saßen (und nach einer Sekunde eingeschlafen sind), war aber alles wieder okay. In Tunis angekommen, checkten wir in ein Airbnb ein – und am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder ganz anders aus.



Ein kurzer Besuch in Tunis
Leon und ich hatten ein süßes Airbnb mitten in Tunis. Morgens wachten wir auf und traten auf unseren kleinen Balkon, von dem aus wir das bunte Treiben auf der Straße beobachten konnten. Das fühlte sich aufregend an: eine andere Kultur, strahlend blauer Himmel und so viel zu entdecken.
Wir gingen vor die Tür, holten uns zufällig ein typisch tunesisches Frühstück – ein Thunfischbaguette – und spazierten dann durch die Medina. Lustigerweise entdeckten wir einige Dinge, die es so auch auf dem Markt in Ecuador gab – so groß ist der Unterschied dann doch nicht. Wir waren begeistert von den vielen Farben, Gerüchen und Eindrücken. Alles wirkte so authentisch und doch nicht zu viel.
Wir tranken einen völlig überteuerten Tee, genossen die ersten Eindrücke der Stadt und verließen Tunis dann schon wieder nach einem Tag, um weiter nach Kelibia zu fahren. Allerdings sollten wir zum Ende der Reise nochmal nach Tunis zurückkehren, deshalb fiel der Abschied nicht allzu schwer.



Wilde Hochzeitsfeier in Kelibia
Knapp zwei Stunden dauerte unsere Fahrt mit dem Auto nach Kelibia, wo die Hochzeit von Johanna und Ziad stattfinden sollte. Wir trafen die anderen beim Frühstück – und es war irgendwie verrückt, während der Reise erneut Freunde zu treffen! Vor Ort hatten wir eine Villa gemietet, in der alle angereisten Europäer übernachteten – mit einmaligem Blick aufs Meer.



Die Tage rund um die Hochzeit vergingen schnell und gaben uns einen wirklich authentischen Einblick in das tunesische Leben. Am ersten Abend waren wir zum Abendessen bei Ziads Familie eingeladen – es gab so viele Leckereien, dass Leon und ich vom Essen in Tunesien mehr als begeistert waren.
Den nächsten Tag verbrachten wir am Strand und in der Villa, bevor es erneut zur Familie ging – zum Auftakt der Hochzeit, dem sogenannten Hennaabend. Wir wollten eigentlich um halb fünf los, sind letztlich aber erst um halb acht dort angekommen. Warten gehört in Tunesien zur Tagesordnung – und das durften wir direkt einmal selbst erleben. Zum Glück kamen wir gerade aus Südamerika, wo es doch recht ähnlich ist.



Als die Feier begann und wir sehr leckere tunesische Pasta aßen, waren sofort alle aus dem Häuschen. Es gab eine Band – und die spielte gefühlt stundenlang. Alle tanzten und sprangen herum. Leon und ich waren anfangs etwas überfordert vom Tanzstil (vor allem nüchtern), aber man groovt sich schnell ein – und dann macht es richtig Spaß. Ich hatte das Gefühl, dass die Party mit jeder Minute wilder wurde, bis um Mitternacht alles endete. Ruhestörung scheint in Tunesien kein großes Thema zu sein – zumindest wurden durch die Terrasse, auf der wir feierten, alle Nachbarn gleich mitbeschallt.
Übrigens diente der Abend dazu, dass die Braut Johanna traditionelles Henna bekam. Auch alle anderen Frauen durften sich ein kleines Henna-Muster abholen.



Müde, aber glücklich gingen wir ins Bett – und freuten uns schon auf den nächsten Abend, an dem die offizielle Hochzeit stattfand. Dieses Mal begann alles etwas pünktlicher, und ich kam fast schon in Stress beim Fertigmachen. Die Location lag direkt am Strand, das Licht war perfekt – alles sah traumhaft schön aus. Kurz nach uns kam das Brautpaar an, und es wurde sofort getanzt – scheinbar ist das in Tunesien so üblich. Ich mochte das sehr. Irgendwie machte es alles lockerer.
Generell war ich großer Fan davon, dass hier alle ohne Alkohol und ohne Hemmungen tanzten – gerne mehr davon in Deutschland!



Der Abend verging wie im Flug. Es gab leckeres Essen, und irgendwann, nach dem Sonnenuntergang und einigen Fotoshootings, wurde die Party drinnen fortgesetzt. Ein Live-DJ spielte sowohl europäische als auch arabische Musik, dazu gab es Cocktails (also verschiedene Fruchtsäfte), immer wieder kleine Snacks und natürlich erneut eine Band, die irgendwann die Tanzfläche völlig aufmischte. Bengalos gehören in Tunesien scheinbar auch zur Tagesordnung – es fühlte sich auf jeden Fall sehr authentisch an.
Wir tanzten bis in die Nacht und fuhren dann nach Hause, wo wir den Abend im kleinen Kreis mit einem Bier ausklingen ließen – eins musste dann doch sein.



Am nächsten Morgen verließen Leon und ich bereits Kelibia – und damit auch unsere Freunde und den wunderschönen Strand. Weil Leon die Hochzeit in einer Nachricht an Familie und Freunde so schön zusammengefasst hat, möchte ich seine Worte hier teilen:
Wow – was war das bitte für ein Fest?! Die Hochzeit von Ziad & Johanna hat uns richtig begeistert und wir sind so dankbar, derartig in die Tunesische Kultur eingetaucht zu sein. Die beiden haben keine Mühen gescheut und eine riesige Villa direkt am Strand angemietet in der alle angereisten Europäer übernachten konnten. Es war ein Traum morgens aufzuwachen und direkt das türkisblaue Meer sehen und hören zu können. Der erste feierliche Abend fand bei Ziads Familie zuhause in der Wohnung statt – ein traditioneller Henna Abend, für den wir uns alle typisch bunte Gewänder kauften. Die Familie kochte für alle (bestimmt 30-40 Personen) ein herrlich leckeres Pasta Gericht und kaum waren wir fertig ging es los – aus dem Treppenhaus dröhnten laute Musikgeräusche (Trompeten & Schellen) und ein fröhlich strahlender Ziad kam gefolgt von mehreren Musikern tanzend in die Wohnung gelaufen. Fahnen wurden geschwenkt, die Stühle beiseite geschoben und die erste Tanzeinlage von Ziad & Johanna begann im Wohnzimmer. Die Stimmung war total surreal – alle Europäer waren sichtlich überrumpelt (wir wussten ja von nix), aber dennoch total begeistert und Ziads Familie war direkt komplett am Feiern als wäre es das natürlichste auf dieser Welt. Nach kurzer Zeit schaffte es die ganze Meute auf die Dachterrasse wo es kurz ruhiger wurde. Allerdings nur bis wieder ohrenbetäubender Lärm aus dem Treppenhaus kam und eine zweite, doppelt so große und laute Band plötzlich in der Wohnung stand. Ab da gab es gefühlt kein halten mehr – alle tanzten zu den Klängen, die Hände immer nach oben, die Schellen schepperten, Fahnen schwenkten, Feuerwerk wurde gestartet und Bengalos entzündet. Ich weiß gar nicht wie lange wir dann tanzten, aber diese Energie und Freude zu erleben war einfach mitreißend und ist unvergesslich! Am nächsten Tag feierten wir etwas eleganter in einer traumhaften Location direkt am Meer, mit Dinner zum Sonnenuntergang und anschließender Party, zu der dann auch die entferntere Familie dazustieß. Und es wurde wieder die ganze Nacht durch getanzt und gelacht. Was mich rückblickend sehr zum Nachdenken gebracht hat, aber auf eine positive Art und Weise, ist der Umstand, dass auf beiden Feiern kein Alkohol getrunken wurde und trotzdem alle vollkommen losgelöst und ohne Scham getanzt haben. Jeder der tanzte wurde gefeiert und keiner schief angeguckt, wenn man mal nicht im Rythmus war. Diese nüchterne Offen- und Unbefangenheit würde ich mir auch sehr für zukünftige Feiern in Deutschland wünschen. Vielleicht schaffen wir es uns da etwas abzugucken.
Einmalige Zeit in der Sahara
Nach der turbulenten Hochzeitszeit ging es für uns sieben Stunden Richtung Süden – in die Sahara. Und die verzauberte uns vom ersten Moment an. Wir hatten zuerst in Tozeur ein süßes Airbnb gebucht, der Host war wundervoll – und das Haus ebenso. Er empfahl uns einen Sunset-Spot, und wenig später saßen wir mitten in der Wüste in Nefta und blickten auf den runden Feuerball über den Sanddünen und das alte Star Wars Filmset. Irgendwie war das surreal – aber unglaublich schön!



Die nächsten Tage nutzten wir, um Tozeur, die umliegenden Oasen und einen Canyon an der algerischen Grenze zu erkunden. Wir gönnten uns eine Nacht in einem Luxushotel – und damit auch die Ruhe der Wüste. Wir bummelten durch den Ort Tozeur, kauften einen Teppich, tranken starken Kaffee.



Danach fuhren wir weiter nach Douz in ein Wüstencamp, wo es doch viel heißer war, als wir dachten. Trotz allem hielt uns das nicht davon ab, auf Kamelen zu reiten, Quad zu fahren und Sandboarden zu gehen. Ein touristisches, aber irgendwie doch wunderbares Abenteuer. Das Essen war vorzüglich und das Gefühl am Morgen mit Blick auf die Sanddünen aufzuwachen einmalig.



Als letzten Stopp machten wir Halt in Matmata, einem Berberdorf, in dem man erkunden kann, wie die Menschen dort leben. Mich faszinieren Lebenskünstler immer wieder – und das sind sie dort ganz gewiss. Das Haus besteht aus Lehm, in der Mitte meist ein großer Innenhof, sodass man keine Fenster braucht und jeder Raum trotzdem Licht hat. Türen gibt es sowieso nicht. Alles ist verschachtelt und damit irgendwie gemütlich.



Matmata ist keine Sandwüste mehr, sondern eher eine Steinwüste – und genau deshalb noch einmal ganz besonders. Ich konnte mich nicht sattsehen und empfand alles als so unglaublich schön. Dazu hatten wir eine wirklich tolle Unterkunft, erneut mit unglaublich freundlichen Gastgebern. Bei der Ankunft bekamen wir das schönste Zimmer des Hotels und konnten so morgens direkt in den Pool springen. Das Essen dort war mehr als köstlich. Wir lernten dabei einen deutschen Reisenden, Frank, kennen, mit dem wir uns den ganzen Abend austauschten. Trotz des Altersunterschieds war er so sympathisch, dass uns die Begegnung wohl länger im Kopf bleibt. So konnte unsere Zeit in der Wüste doch zu Ende gehen.
Zurück nach Tunis, oder eher in das Santorini von Tunesien
Für uns ging es zurück Richtung Norden – in einen Vorort von Tunis: Sidi Bou Said. Eine Gegend mit fast ausschließlich weißen und blauen Häusern. Dank des Opferfestes, was während unsere Besuchs stattfand und eines der wichtigsten Feiertage des Landes darstellt, war die Stadt fast leer. Was erstmal wie Pech wirkte, weil doch viele lokale Restaurants geschlossen waren, entpuppte sich als großes Glück für Leon und mich: die Stadt war fast leer statt wie sonst üblich von Touristen überschwemmt.



Wir schlenderten durch die Gassen, machten unzählige Fotos, entspannten am Meer (eines der schönsten Stadtstrände, die wir bisher gesehen haben) und aßen letzten Endes doch noch einiges an tunesischen Köstlichkeiten. Ich besuchte zudem alte Ruinen der Römer am Meer in Carthago, bevor wir uns nun schweren Herzens nach dieser viel zu kurzen Zeit verabschiedeten.
Und weil Leon auch hier die Eindrücke so schön zusammengefasst hat, folgt ein Auszug aus seiner Nachricht:
Für nach der Hochzeit war es Lenas großer Wunsch die Sahara und generell einmal große Sanddünen zu sehen. Also fuhren wir mit unserem Mietwagen (ein schnittiger VW) direkt am Tag danach für 8 Stunden gen Süden. Als wir am frühen Abend in unserer AirBnB ankamen wollten wir eigentlich nur noch ins Bett. Allerdings meinte unser AirBnB Host, wir sollten noch unbedingt etwas weiter fahren um im nahegelegenen Star-Wars Filmset den Sonnenuntergang zu sehen. Ich weiß nicht genau wo wir die Energie hernahmen, vielleicht lag es am Schwarztee und den köstlichen Datteln, die er uns noch gab, aber wir fuhren tatsächlich nochmal 45 Minuten weiter und stellten zu unserer großen Freude fest, dass die Straße zum Set geradewegs tief in die ersten Sanddünen führte. Wir hatten ein perfektes Timing und schafften es genau zum Sonnenuntergang auf die größte Düne zu klettern und da saßen wir nun – die Füße im lauwarmen Sand und Schulter an Schulter guckten wir in den riesigen, glühenden Feuerball, der über den Weiten der Wüste unterging. Spätestens ab da hätte uns klar sein müssen, dass Tunesien absolut magisch wird. In der darauffolgenden Woche fuhren wir durch die verschiedenen Regionen der Sahara, besichtigten traumhafte Oasen, fuhren durch eine Salzwüste, wanderten durch einen Canyon, ritten auf Kamelen durch die Dünen oder wirbelten mit Quad Bikes den Sand auf, schliefen in einem Wüstencamp, erlebten einen Mini Sandsturm und wie es ist überall Sand zu haben und kamen generell nicht mehr aus dem Staunen über die spektakulären Landschaften heraus. On top waren alle Tunesier absolut gastfreundlich, offenherzig und selbst mit den Verkäufern in den Souvenirläden konnte man verhältnismäßig unaufdringlich quatschen. Ich glaube noch nie wurde uns so viel Essen geschenkt wie auf dieser Reise. Generell das Essen hat uns richtig positiv überrascht – ihr könnt es euch als einen Mix aus orientalisch und italienisch mit französischen Einflüssen vorstellen. Natürlich bekommt man hier auch im noch so abgelegenen Dorf sein frisches Baguette und es ist keine Seltenheit die Bewohner mit tütenweise noch warmen Baguettes durch die Straßen laufen zu sehen.
Was man von den Menschen in Tunesien lernen können
Wenn ich an unsere Zeit in Tunesien zurückdenke, dann sind es nicht nur die Orte, die mir in Erinnerung bleiben. Nicht die türkisblauen Strände, nicht die Sanddünen der Sahara, nicht die leeren Gassen von Sidi Bou Said – auch wenn all das wunderschön war. Es sind vor allem die Menschen, die uns begegnet sind, die in mir etwas ausgelöst haben.
Tunesier:innen haben eine ganz eigene Art, mit dem Leben umzugehen. Vielleicht liegt es am Klima, vielleicht an der Geschichte des Landes, vielleicht an einer tief verankerten Haltung von Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Stolz auf die eigene Kultur. Sicher ist: Wir haben viel gelernt.
Wir haben gelernt, dass man sich Zeit nimmt. Für Gespräche. Für Essen. Für Tee. In Tunesien trinkt man Tee nicht nebenbei, sondern mittendrin. Inmitten des Tages, des Trubels, der Hitze. Und irgendwie gibt das allem einen anderen Rhythmus. Einen langsameren. Einen menschlicheren.
Wir haben gelernt, dass Gastfreundschaft mehr bedeutet als ein nettes Hallo oder ein schneller Smalltalk. In Tunesien bedeutet Gastfreundschaft, dass einem ein Platz am Tisch gemacht wird – wortwörtlich und im übertragenen Sinne. Dass man das Beste bekommt, was da ist. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus echter Freude am Teilen.



Wir haben gelernt, dass man tanzen kann, ohne Alkohol, ohne perfekte Schritte, ohne Angst, wie man aussieht. Auf den Hochzeiten haben wir Menschen erlebt, die sich einfach der Musik hingegeben haben – mit voller Energie, mit Leichtigkeit, mit Begeisterung. Und plötzlich war es so einfach, mitzumachen.
Wir haben gelernt, dass Dinge oft anders laufen als geplant – später, chaotischer, überraschender. Aber dass es trotzdem (oder gerade deswegen) gut wird. Dass das Warten, das Improvisieren, das Spontane nicht unbedingt schlechter ist als das Geplante. Im Gegenteil: Manchmal entstehen daraus die schönsten Geschichten.
Wir haben gelernt, dass Tradition nicht veraltet sein muss. Dass sie gelebt, geteilt, modern interpretiert werden kann. Dass man eine Hochzeit mit Hennaritual und Trommelband feiern kann – und sich trotzdem verbunden fühlt, auch wenn man aus einer ganz anderen Welt kommt.
Wir haben gelernt, dass Offenheit nicht laut sein muss. Dass sie sich manchmal in einem stillen Blick zeigt, in einem freundlichen Nicken, in einer einfachen Geste. Tunesier:innen sind stolz – auf ihre Kultur, auf ihr Land, auf ihre Sprache. Aber dieser Stolz geht nicht auf Kosten von Neugier oder Warmherzigkeit. Beides existiert nebeneinander.
Und doch: Was uns irritiert hat
So sehr Tunesien uns begeistert hat, so sehr hat uns auch manches irritiert – vor allem im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Besonders auffällig war für uns das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen im öffentlichen Raum. In vielen Cafés saßen ausschließlich Männer. Nicht nur überwiegend – sondern ausschließlich. Auch auf den Straßen, in Restaurants oder auf Märkten war sichtbar: Der Alltag draußen gehört in weiten Teilen den Männern.
Und doch war da auch ein anderer Eindruck. Im Vergleich zu anderen nordafrikanischen Ländern, etwa Marokko, wirkte Tunesien auf uns deutlich moderner und fortschrittlicher – insbesondere in Städten wie Tunis. Wir lebten auch zwei Mal in AirBnbs, geführt von alleinstehenden Frauen in Freizeitkleidung mit stark feministischen Wurzeln. So erschien uns das Frauenbild in der Werbung und in Gesprächen mit Einheimischen emanzipierter als anderswo.
Dennoch bleibt das Ungleichgewicht spürbar. Auch in Tunesien sind konservative Rollenmuster allgegenwärtig. In vielen Familien gelten noch immer klare Vorstellungen davon, was eine Frau darf – und was nicht. Als westliche Frau fühlt man sich in manchen Situationen beäugt, dennoch nicht unwohl. Es ist nicht unbedingt doll – aber spürbar. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich nie alleine als Frau unterwegs war und damit nicht sagen kann, wie sich das anfühlt. In Marokko hatte ich damit nicht sonderlich gute Erfahrungen gemacht – allerdings wirkte Tunesien für mich allgemein aufgeschlossener und moderner.

Gleichzeitig ist es wichtig, diese Eindrücke nicht zu verallgemeinern. Tunesien ist ein Land im Wandel, voller Widersprüche, mit einer komplexen Geschichte und einer jungen Generation, die vieles anders leben möchte. In Gesprächen mit Tunesier:innen – Männern wie Frauen – spürten wir den Wunsch nach Freiheit, Gleichberechtigung und individueller Entfaltung.
Wie haben wir uns in Tunesien gefühlt?
In den beiden Absätzen darüber habe ich einiges zu unserem Gefühl in Tunesien geschrieben. Allerdings war da noch mehr – zum Beispiel dieses Gefühl von Leichtigkeit und irgendwie auch Freiheit. Die Sahara ist magisch und so weitläufig. Mit dem Auto dadurch zu fahren ein absolutes spektakel – ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus und spürte so viel Freude und Begeisterung. Ich habe auch etwas Spannendes über mich gelernt: je weniger gehyped ein Land ist und je weniger ich von diesem weiß und erwarte, desto mehr flasht es mich. Und Tunesien hatte für mich genau diesen Effekt. Ich spürte eine besondere Energie und Verbindung – vielleicht auch wegen der Hochzeit und der doch sehr authentischen Erfahrungen.



Unser Fazit zu Tunesien
Zusammengefasst kann man sagen, dass Tunesien uns wie kaum ein anderes Land überrascht hat. Berührt und auch herausgefodert hat. Und letzten Endes hat Tunesien uns auch daran erinnert, dass Begegnungen das sind, was Reisen wirklich ausmacht.
Unsere Zeit vor Ort hat nicht nur unglaublich viel Spaß gemacht, sondern war auch vielseitig und abenteuerreich. Das Essen ist großartig, und die Menschen sind unglaublich freundlich. Besonders positiv überraschten uns die Straßen – die waren wirklich einwandfrei! – sowie die wirklich guten Hotels.
In Tunesien kann man ohne Probleme zwei bis drei Wochen bleiben und spannende Geschichten entdecken, vor allem auch die der Römer. Es gibt unglaublich tolle Bauwerke, Strände und andere Naturspektakel.
Meiner Meinung nach lohnt sich ein Besuch in Tunesien immer – schon alleine wegen des leckeren Essens! Und jetzt wo wir auch anschließend in Marokko waren kann ich nur sagen: Tunesien ist das Land, was ich als deutlich angenehmer zu bereisen empfand. Auch, wenn beide Länder für sich interessant und absolut sehenswert sind.

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