Kolumbien: mehr als unvergessliche Momente

Vor ein paar Tagen sind wir mit dem Bus von Kolumbien nach Ecuador gefahren – und haben uns damit zum dritten Mal von einem Land verabschiedet, das uns unglaublich viel bedeutet.

Kolumbien ist und bleibt eines unserer Lieblingsländer – sicher auch, weil es uns 2014 so tief geprägt hat, als wir dort sechs Monate lang gelebt haben. Doch auch diesmal hat uns das Land erneut gezeigt, wie vielfältig es ist und wie viel Kraft wir aus der entspannten, lebensbejahenden Kultur ziehen können. Natürlich gab es auch wieder Dinge, die uns gestört haben – das soll nicht unter den Tisch fallen.

Kolumbien ist laut. Kolumbien ist bunt. Es ist gleichzeitig gelassen und doch intensiv. Kolumbien ist der Ort, an dem an jeder Straßenecke Salsa erklingt und Musik oft mehr Raum einnimmt als ein Gespräch. Es ist der Ort, an dem Menschen dich anlächeln und dir helfen, auch wenn du gar nicht darum gebeten hast.

Kolumbien ist grün, blau, braun – und so viel mehr. Es hat Karibik und Pazifik, Vulkane und schneebedeckte Berge, Wüsten und Regenwälder, Kolonialstädte, die Anden, eine beeindruckende Artenvielfalt, dichten Nebelwald, lebendige Geschichte und gelebte Kultur. Kolumbien ist ein Land, in dem man selten zuckerfreie Getränke findet und ein menú del día für 2,50 € zum Tageshighlight wird. Wo fast alles frittiert wird und Fleisch als Grundnahrungsmittel gilt. Und doch überrascht es mit gutem Brot und Früchten, deren Geschmack und Vielfalt jede Vorstellungskraft übersteigen. Aber Kolumbien ist auch ein Land, das noch immer mit Drogenhandel und Armut zu kämpfen hat. Ein Land, in dem man sich mal absolut sicher fühlt – und dann plötzlich doch wieder vorsichtiger sein muss. Wie überall in Südamerika sollte man sich nicht allzu sorglos bewegen. Und dennoch – Kolumbien ist ein Land, das das Herz höherschlagen lässt. Eines, das berührt, überrascht und selten enttäuscht. Ein Land, das so viel zu bieten hat wie kaum ein anderes.

Anreise nach Cartagena mit dem Boot

Wie bereits im Artikel über Panama beschrieben, sind Leon und ich gemeinsam mit unserer Freundin Ingrid per Boot angereist. Sechs Tage lang sind wir von Puerto Lindo in Panama bis nach Cartagena geschippert – ein wirklich wildes Abenteuer, über das ihr hier mehr lesen könnt.

Ich sag’s euch: Als ich nach dieser stürmischen Nacht am Morgen aufwachte und die Skyline von Cartagena sah, hatte ich mindestens drei Tränen in den Augen. So sehr habe ich mich gefreut. Endlich wieder in dieser Stadt zu sein, die mir so viel bedeutet.

Die Einreise war einfacher als je zuvor – unser Kapitän brachte unsere Pässe zum Zoll, wo sie ohne unsere Anwesenheit gestempelt wurden. Am Abend konnten wir sie ganz unkompliziert wieder abholen.

Währenddessen verbrachten Leon, Ingrid und ich die Zeit in einem Café, bis wir endlich unsere wohlverdiente Dusche bekamen. Nach 40 Stunden auf offener See war die mehr als überfällig.

Die ersten Momente in Cartagena waren laut, etwas überwältigend – und trotzdem tief berührend. Ich fühlte mich sofort wieder zuhause. So vieles kam mir vertraut vor, und doch war auch sofort sichtbar, wie sehr sich die Stadt verändert hat.

Mein 30. Geburtstag in Cartagena

Nachdem Leon, Ingrid und ich eine Nacht zur Erholung hatten, trafen wir uns am nächsten Morgen mit vier weiteren Freunden von uns, um gemeinsam meinen Geburtstag zu feiern. Dafür hatte ich eine Duplex-Suite mit einem wirklich spektakulären Rooftop-Pool gebucht. Die Unterkunft war – wie viele in Kolumbien – zwar etwas abgenutzt, aber dennoch schick, und wir fühlten uns von Anfang an sehr wohl. Zumindest am Anfang.

Wir schlenderten durch die Stadt, aßen typisch kolumbianische Spezialitäten und ließen einfach die besondere Atmosphäre von Cartagena auf uns wirken.

Am nächsten Tag weckte mich meine innere Uhr verdammt früh – es war mein 30. Geburtstag. Ich zog das Rollo hoch und sah den Sonnenaufgang direkt aus dem Bett. Nach einem kurzen Kuscheln breitete ich auf der Rooftop-Terrasse meine Yogamatte aus und genoss die ersten Stunden meiner 30er ganz in Ruhe und bei mir selbst – ein wirklich schönes Gefühl.

Kurz darauf wurde ich in die Küche gerufen, wo alle bereits versammelt waren. Nicht nur ein üppiger Blumenstrauß wartete dort auf mich, sondern auch zwei Kuchen und einige Geschenke. Ehrlich gesagt war ich etwas überwältigt und auch ein wenig überfordert. Das war viel mehr, als ich jemals erwartet hätte, und hat mir unglaublich viel bedeutet.

Der Tag verlief weiter so schön: Wir sahen uns ein witziges Video an, das Leon für mich erstellt hatte, genossen einen leckeren Brunch und quatschten lange. Anschließend wollten wir den Tag am Pool ausklingen lassen. Das klappte auch – zumindest bis Ingrid uns anrief, völlig aufgelöst, und erzählte, dass jemand vor ihrem Bett in unserem Apartment gestanden hatte. Sie blieb im Zimmer, um sich auszuruhen, und wurde von diesem unschönen Moment überrascht. Zum Glück wurde nichts gestohlen, aber der Schock war groß.

Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir damit, mit den Eigentümern zu sprechen und ihnen unsere Lage zu erklären – anfangs wurde uns nicht geglaubt. Erst als wir ernster wurden, entschuldigten sie sich am nächsten Tag. Nachdem wir immerhin einige Dinge klären konnten, beschlossen wir, uns den weiteren Tag nicht von diesem Vorfall vermiesen zu lassen.

Also tranken wir einen Aperol, machten uns fertig und gingen zu einem Boot, das ich für uns und ein paar Freunde gemietet hatte. Dort erwartete uns einer der schönsten Sonnenuntergänge, die Cartagena zu bieten hat. Die Stimmung war großartig, und wir hatten unglaublich viel Spaß! Danach ging es in eine Bar, in der es – lustigerweise – auch deutsches Essen gab, bevor wir den Abend in einer weiteren Bar ausklingen ließen. Ich war tief berührt und überwältigt – ein wunderbarer Tag mit tollen Menschen, trotz des Einbruchs.

In den folgenden Tagen merkte ich, wie meine Energie langsam schwand und mich all die Erlebnisse überrollten. Wir versuchten, die Stadt so gut es ging zu genießen, aber auch Momente der Ruhe zu finden. Für mich reichte es, Dinge zu tun und zu essen, die ich vermisst hatte, und mich ein bisschen zuhause zu fühlen. Dazu gehört durch die bunten Straßen von Cartagena zu schlendern, Bunelos zu essen, leckere Säfte zu trinken, zu meiner Lieblingseisdiele zu gehen und den Sonnenuntergang von verschiedenen Orten der Stadt anzuschauen. Fotos zu machen und auf die Details zu achten. Und natürlich auch tanzen gehen sowie abends an einen der vielen belebten Plätze der Stadt abzuhängen.

Langsam neigten sich die Tage in Cartagena dem Ende zu, und ich war schon voller Vorfreude auf das nächste große Abenteuer, das auf uns wartete: den Amazonas.

Abenteuer im Amazonas

Gemeinsam mit Anna, Oliver, Jasmin und Philip stiegen Leon und ich morgens um 5:45 Uhr in Cartagena in ein Flugzeug, das uns nach Leticia brachte. Leticia liegt mitten im Amazonas, direkt an der Grenze zwischen Peru und Brasilien. Schon bei der Ankunft spürten wir die drückende Schwüle und bemerkten sofort die ganz andere Kultur. Nach einem Mittagessen machten wir uns mit einem Boot auf den etwa zweistündigen Weg flussabwärts zu unserer Lodge. Die Bootsfahrt war wunderschön – dieses Licht, die Weite, der Himmel… fast surreal. Gleichzeitig waren wir alle so müde, dass wir bald eingeschlafen sind und den Großteil der Fahrt verschliefen.

Das Hotel war schlicht, aber sauber, und unser Bungalow überraschte uns mit einer kleinen Terrasse mit direktem Blick auf den Amazonas. Sofort fühlten wir uns wohl. Doch kaum angekommen, der erste Schreck: Philipp rief aus seinem Zimmer, dass dort eine Vogelspinne sei. Obwohl das Tier sich versteckte, wollte plötzlich niemand mehr in diesem Zimmer schlafen – es wurde getauscht. Zum Glück konnten wir danach einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten – zumindest bis wir die nächste Vogelspinne entdeckten. Und noch eine. Schnell wurde klar: Die sind hier einfach überall. Unser Zimmer blieb zum Glück weitgehend verschont – bis auf eine riesige Kakerlake, die sich in einer Ritze versteckte.

Am Abend stand eine Nachtwanderung auf dem Programm – intensiver, als wir erwartet hatten. Taranteln, Bananenspinnen, Skorpionspinnen, Frösche in allen Farben, ein Affe, ein Opossum und sogar ein kleiner Kaiman – eine wilde Tour, nach der wir ziemlich platt waren.

Am nächsten Morgen regnete es in Strömen. Leon und ich blieben noch eine Weile im Bungalow liegen – ich schlief tief und fest, während der Regen aufs Dach trommelte. Später fuhren wir mit dem Boot auf die peruanische Seite des Amazonas, um Delfine zu beobachten. Dort gibt es zwei Arten: graue mit rosa Bauch und ganz rosafarbene. Letztere sahen eher aus wie übergroße Fleischwürste – nicht ganz so niedlich, wie ich erwartet hatte, aber dennoch spannend.

Nach dem Abendessen saßen wir zusammen, tranken Bier und probierten Chuchuhuaza – einen lokalen Schnaps, der ein wenig an Jägermeister erinnert. Am nächsten Morgen begann das Highlight unserer Reise: eine private Tour mit unserem Guide Ramiro.

Wir besuchten ein kleines Dorf, trafen dort auch Saul, unseren lokalen Guide, und liefen etwa eine Stunde durch den Wald. Zum Mittagessen waren wir bei einem älteren Mann namens Daniel eingeladen: Reis, Linsen, Patacones – einfach und lecker. Danach gab es erst einmal Siesta, bevor es weiterging zu unserem Nachtlager mitten im Dschungel. Die Guides spannten Hängematten auf, spannten Moskitonetze drüber – mehr brauchten wir nicht. Bis dahin hatte ich noch keine einzige Spinne gesehen und war zuversichtlich, dass das so bleiben würde. Doch später kamen ein paar Mücken und andere kleine Besucher vorbei.

Das Abendessen wurde über dem offenen Feuer zubereitet. Im Kerzenschein saßen wir zusammen und lauschten spannenden Geschichten über das Leben im Dschungel. Es wurde viel gelacht – die Stimmung war besonders. Danach gingen wir nochmal auf Nachtwanderung. Dieses Mal waren weniger Tiere unterwegs, aber wir sahen eine Tigerspinne, die einen Schmetterling einspinnte, einen riesigen Leguan und eine der giftigsten Schlangen des Amazonas – direkt vor unseren Füßen.

Die Nacht in der Hängematte war besser, als ich erwartet hatte – ich schlief tief und fest. Selbst der nächtliche Toilettengang mitten im Dschungel war halb so wild. Am nächsten Morgen gab es Frühstück, danach liefen wir zurück nach Santa Sofia. Unterwegs zeigte uns einer der Guides ein Faultier, das gemütlich in einem Baum hing.

Zum Abschluss fuhren wir zurück zur peruanischen Seite, zum Marasha-See. Die Landschaft dort war atemberaubend – Sumpfgebiete, spiegelglattes Wasser, überall kleine Kanäle. In der Lodge gönnten wir uns eine Dusche, dann entspannten wir in der Hängematte mit einem Buch. Am Nachmittag paddelten wir mit dem Kanu los, sahen Affen und Vögel und versuchten, Piranhas zu angeln (Spoiler: hat nicht geklappt). Abends waren wir nochmal auf dem Wasser – der Sternenhimmel war unfassbar schön.

Das kleine Highlight kam zum Schluss: Unser Guide lockte mit Geräuschen einen Kaiman an – und plötzlich war er da, direkt am Boot. Ohne Vorwarnung zog unser Guide ihn mit bloßen Händen aus dem Wasser. Da lag er nun, ganz ruhig auf dem Kanu. Wir durften ihn aus nächster Nähe bestaunen, bevor er wieder ins Wasser durfte. Ein Moment, der sich tief eingebrannt hat – auch wenn ich zwischendurch daran zweifelte, ob das wirklich okay ist.

Der Wecker klingelte am nächsten Morgen um 4:30 Uhr. Der Sonnenaufgang blieb wegen Wolken aus, doch das frühe Vogelkonzert war beeindruckend. Nach einem kleinen Frühstück fuhren wir zurück nach Leticia. Von dort ging es mit dem Taxi zu einem Wanderweg durch ein sumpfiges Gebiet zu den Malocas, einem einheimischen Stamm. Wir balancierten über Baumstämme, liefen durch Schlamm und erreichten schließlich das Haupthaus, wo wir den Abuelo, einen Schamanen, trafen. Gemeinsam stellten wir Mambe her – ein grünes Pulver aus Kokablättern, das das Bewusstsein erweitern soll. Wir rösteten und zerstampften die Blätter und stellten dabei Fragen.

Nach dem Mittagessen badeten wir im Fluss – ein Seitenarm des Amazonas, erfrischend und frei von größeren Tieren. Wir sprangen von einer Brücke und ließen uns von der Sonne trocknen. Danach bastelten wir Armbänder und lernten bei einer weiteren Wanderung mehr über Heilpflanzen und den nachhaltigen Umgang mit dem Amazonas. Jede Familie besitzt hier eigenes Land, lebt vom Eigenanbau und darf dafür auch Bäume fällen – eine erstaunliche Balance.

Leon und ich verließen den Amazonas am nächsten Morgen mit großer Dankbarkeit und dem Gefühl, ein wahres magisches Stück Erde erlebt zu haben – eines der ganz besonderen Highlights unserer gesamten Reise.

Salsa in Cali

Nach unserer intensiven Zeit im Amazonas brauchten wir etwas Ruhe und Raum, um all die Erlebnisse zu verarbeiten. Deshalb reisten wir gemeinsam nach Cali, um vor allem Salsa zu lernen. Die Stadt ist abwechslungsreich und von wunderschönen Bergen umgeben – gleichzeitig aber nicht so hektisch, dass man jeden Tag auf Achse sein muss. Für uns war das genau richtig: Morgens widmeten wir uns Sport und „normalen“ Dingen, während wir die Nachmittage nutzten, um die Umgebung zu erkunden. Cali hat einen besonderen Vibe, und die Menschen dort wirken irgendwie anders als im Rest Kolumbiens – noch entspannter, noch lebensfroher.

Am Abend besuchten wir Salsa-Lektionen, bevor wir die meiste Zeit in verschiedenen Salsotecas verbrachten – also Salsa-Diskotheken. Es machte nicht nur Spaß, Salsa zu lernen, sondern war auch eine tolle Gelegenheit, auf diese Weise einen Einblick in die Kultur zu bekommen. Leon und ich trauten uns ebenfalls aufs Parkett, was viel Überwindung kostete – denn im Vergleich zu den Calenos wirkten unsere Bewegungen eher wie die von Robotern. Aber hey: Es ging ja nicht darum, perfekt zu sein, sondern einfach dabei zu sein.

Insgesamt verbrachten wir eine Woche in Cali und hatten sogar ein richtig schönes, sonniges Wochenende. Das Highlight war sicherlich der Freitagabend, an dem wir noch einmal erlebten, wie feierfreudig die Einheimischen sind: eine Straße voller Musik, Menschen, die tanzen und gemeinsam musizieren! So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen – umso beeindruckender war es für mich. Übrigens: In Cali gibt es ganz anderes Essen als an der Küste Kolumbiens. Zwar immer noch frittiert und mit viel Zucker, aber echt spannend und überraschend lecker. Wir verließen Cali voller Dankbarkeit, mit tollen Eindrücken und genau dem Gefühl, das wir gebraucht hatten.

Kurzer Stopp an der Grenze zu Ecuador

Von Cali aus flogen wir nach Pasto, einer Stadt ganz nah an der Grenze zu Ecuador. Wir hatten Glück mit dem Wetter, und unser Anflug war einfach spektakulär – ich war tief beeindruckt von den Anden und ihrer Schönheit. Zum Glück hatte mir vorher jemand gesagt, dass Pasto einer der schwierigsten Anflüge in Südamerika ist, sodass ich mich nicht allzu sehr über die ziemlich harte Landung wunderte. Das lohnte sich aber definitiv! Bereits auf der Fahrt nach Pasto wurden wir mit einem Regenbogen belohnt, bevor wir der Realität ins Auge sehen mussten: Pasto ist wirklich keine schöne Stadt. Sie ist aber ehrlich und lokal – ehrlicher kann man Kolumbien wohl kaum kennenlernen. Das Wetter war eher bescheiden, regnerisch und kalt. Wir machten es uns also im Bett gemütlich und genossen den Ausblick aus unserem Apartment auf den Vulkan, der direkt neben der Stadt liegt.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Ipiales, um die beeindruckende Kirche Las Lajas zu besuchen, die spektakulär über einer großen Schlucht errichtet wurde. Auch hier erlebten wir wieder eine sehr authentische Seite Kolumbiens – eine Stadt, in der man meiner Meinung nach aber nicht mehr als eine Nacht verbringen sollte.

Also machten wir uns am nächsten Morgen schon auf den Weg nach Ecuador, denn das lag nur noch fünf Fahrminuten von der Grenze entfernt.

Damit endete unsere Reise durch Kolumbien vorerst – ein Land, das wir so sehr ins Herz geschlossen haben und das durch unsere Erlebnisse in Cartagena, im Amazonas und in Cali noch viel mehr Bedeutung für uns gewann. Auch wenn Pasto und Ipiales nicht zu den überwältigendsten Highlights zählten, bereicherten sie unser Bild von Kolumbien. Insgesamt sahen wir während der gesamten Reise fünf Regenbögen und lernten, die Wärme – und vor allem Heizungen – wieder zu schätzen, denn beides gab es dort kaum.

Was wir von Kolumbianern lernen können

Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf eingehen, was wir von den Kolumbianern lernen können. Nicht umsonst wird Kolumbien oft als Heimat des „glücklichsten Volkes der Welt“ bezeichnet. Ich war ehrlich gesagt überrascht und tief beeindruckt von der Leichtigkeit, mit der die Menschen dort ihr Leben meistern. Dieses tiefe Vertrauen, dass alles irgendwie seinen Lauf nimmt – dass man nicht alles kontrollieren kann, sondern das Leben einfach fließen lässt. Ja, oft wartet man lange, und vieles dauert ewig, aber es scheint niemanden wirklich zu stressen. Es wirkt fast so, als wäre es ganz selbstverständlich, das Leben entspannt zu genießen.

Was mir außerdem immer wieder auffällt: Kolumbianer können einfach reden, reden, reden – und noch mehr reden. Sie sind sehr kommunikativ und durchgehend im Austausch mit anderen Menschen. Ich mag das sehr – es fühlt sich nicht unangenehm oder „awkward“ an, sondern vermittelt Wärme und Nähe.

Noch mehr gelernt habe ich im Amazonas von der indigenen Bevölkerung. Dort spürt man, wie man wirklich im Einklang mit der Natur leben kann. Jeder Stamm hat seine eigenen Traditionen und Überzeugungen, aber am Ende geht es immer um Gemeinschaft und Liebe. Es gibt keine Kriege, sondern gegenseitige Hilfe, Miteinander und Akzeptanz. Die Natur und der Mensch stehen hier über dem Ego oder irgendwelchen starren Regeln.

Aber natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Deshalb muss ich auch ehrlich sagen: In Sachen Handykonsum und Servicequalität hat mich Kolumbien wirklich abgeschreckt. Überall sind die Leute permanent am Handy, scrollen lautstark durch TikTok – oft sogar während der Arbeit. Das Servicelevel ist so niedrig wie fast nirgendwo sonst. Wenn man Glück hat, wird man bedient – dann aber meist nur so, wie es gerade passt. Natürlich trifft man auch motivierte Menschen, aber das ist eher die Ausnahme.

Apropos Essen: Das ist in Kolumbien besser, als viele vielleicht erwarten würden. Im Vergleich zu anderen Ländern kann es allerdings nicht ganz mithalten. Meine größte Herausforderung war, dass wirklich fast alles frittiert ist, mit Zucker zubereitet wird, Gemüse kaum eine Rolle spielt und Fleisch oft einen viel zu hohen Stellenwert hat. Trotzdem gibt es überall Reis, Bohnen, ein bisschen Salat und für umgerechnet etwa 2 Euro bekommt man Fisch oder Fleisch mit Saft und Suppe dazu – also wirklich kein Grund zur Klage. Wer allerdings vorhat, sich gesund zu ernähren, sollte Kolumbien vielleicht eher meiden.

Mein Fazit zu Kolumbien

Kolumbien ist und bleibt eines meiner Lieblingsländer. Mit jedem Besuch schließe ich das Land mehr in mein Herz – und die Menschen darin ebenso. Cartagena ist eine außergewöhnliche Stadt, und unser erneuter Besuch bedeutete mir sehr viel. Der Amazonas war ein absolutes Highlight und eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. Und Cali war gemütlich, leicht und auf eine besondere Weise erfüllend. Es hat Spaß gemacht, etwas Neues zu lernen und das Gelernte direkt anzuwenden.

Ich bin dankbar, dass wir uns erneut entschieden haben, nach Kolumbien zu reisen und dieses wundervolle Land noch besser kennenzulernen. Für alle, die noch Vorurteile gegenüber Kolumbien haben: Just do it. Und dankt mir später! 🙂

Facts über Kolumbien

  • Es ist eines der wenigen Länder in Südamerika mit Küsten am Pazifik und am Atlantik (Karibik)
  • Kolumbien hat Unmengen an eigenen Musikstilen, wie zum Beispiel Cumbia, Champeta oder Merengue
  • Viele bekannte Lateinamerikanische Sänger*innen kommen aus Kolumbien, z.B. Shakira, Karol G, Carlos Vives, Bomba Estereo
  • Arepas – Maisfladen – gibt’s hier in allen möglichen Varianten: süß, herzhaft, mit Käse, mit Ei… und das zum Frühstück, Mittag oder Abendessen
  • Kolumbien ist nach Brasilien das artenreichste Land der Welt – besonders bei Vögeln, Orchideen und Fröschen
  • Rund 90 % der weltweiten Smaragdproduktion stammt aus Kolumbien
  • Kolumbianer essen sehr viel Frittiertes, Fleisch und primär Kohlenhydrate (Reis, Yucca, Yamswurzel,
  • Kochbanane kommt zu jedem Essen
  • In fast allen Toiletten kommt Klopapier in den Mülleimer und nicht in die Toilette

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