Sechs Monate auf Weltreise – Gedanken einer schlaflosen Nacht

Es sind jetzt fast sechs Monate, die Leon und ich bereits auf Weltreise sind, während ich diese Zeilen aus dem Bett in Guatemala schreibe. Es ist 00:16 Uhr – eine dieser Nächte, in denen ich nicht schlafen kann, weil sich meine Gedanken überschlagen. Seitdem wir losgereist sind, habe ich viele solcher Nächte – schon allein, weil so viel passiert und mein Hirn das irgendwie verarbeiten muss. Zum Glück habe ich das Schreiben für mich wiederentdeckt und damit ein Tool, um meine innere Ruhe zurückzuholen.

Da liege ich also und philosophiere über die letzten Monate. Es ist mehr als verrückt, was wir alles erlebt haben, wohin wir gereist sind und mit welchen Menschen sich unsere Wege währenddessen gekreuzt haben. Mit vielen vertrauten und tollen Menschen – aber auch mit vielen neuen und unbekannten Personen. Ebenso verrückt ist es, was sich seitdem alles in uns verändert hat und welche Themen bei Leon und mir hochgekommen sind, die wir vorher nicht auf der Agenda hatten – und wie alle Puzzleteile langsam ihren Platz finden.

Von Herausforderungen und Wachstum: Unser Februar in Australien & Französisch-Polynesien

Ich merke inzwischen, wie Leon und ich uns seit dem Start der Reise verändert haben. Wir sind selbstsicherer, mutiger und ehrlicher geworden. Wir sind viel reflektierter und zudem mitfühlender. Unsere Beziehung hat sich verändert, und wir haben viele Themen besprochen, für die wir uns vorher kaum bis gar keine Zeit genommen haben.

Die letzten drei Monate fühlten sich dabei noch einmal intensiver an. Im Januar haben wir uns bewusst eine gemeinsame Auszeit vom Reisen genommen. Ich habe endlich die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin gemacht und dabei viel über mich selbst gelernt. Leon hat seine erste Solo-Reise angetreten und an seinem eigenen Business-Plan gearbeitet, während er zwei Wochen mit seinem guten Freund Philip auf Koh Lanta verbrachte – eine Zeit, in der auch er viel über sich selbst erfahren durfte. In diesem Monat haben wir beide gelernt, wie wir uns trotz Entfernung nah bleiben können, und erkannt, wie wichtig es ist, dem Partner Freiraum zu geben.

Unser Wiedersehen brachte am Ende aber nicht nur Freude, sondern auch einige schwierige Themen mit sich – Themen, die aufkommen, wenn man sich bewusst Zeit alleine gewährt. Genau das machte uns zu schaffen, denn während man Reisepläne hat und viel erleben möchte, findet man sich dann plötzlich fast den ganzen Tag im Hotelzimmer wieder, um gemeinsam zu reden. Eine extreme Dualität entsteht, die auf so vielen Ebenen vielschichtig ist. Auf der einen Seite möchte man sich Zeit für den Partner nehmen und weiß, wie wertvoll und wichtig das ist. Auf der anderen Seite kämpfen sowohl Leon als auch ich mit FOMO – meist getrieben durch unser Ego, das uns mit Gedanken füttert wie: „Wir zahlen Geld für diese Reise und sind extra hierher gekommen – also müssen wir doch etwas erleben.“

Dem eigenen Ego den inneren Kampf anzusagen, ist damit wohl eine unserer größten Herausforderungen auf dieser Reise und der letzten drei Monate.

Umso schöner war es für Leon und mich, als wir merkten, wie wir uns gemeinsam als Team durch den Februar navigiert haben und sowohl Australien als auch Französisch-Polynesien so sehr genießen konnten wie kein anderes Land bisher. Das heißt nicht, dass es nicht einige Ups und Downs gab – sogar einige. Allerdings bemerkten wir im Februar eine wirkliche Veränderung in unserem Verhalten und unserer Einstellung zur Reise. Gerade die letzten Tage des Februars und unsere Zeit auf Bora Bora waren einige der heilsamsten Tage der ganzen Reise. Wir waren so ausgelassen und entspannt, glücklich und unglaublich dankbar.

Dementsprechend hatten Leon und ich beide die Sorge, im März in ein kleines Loch zu fallen. Wir freuten uns ungemein auf Südamerika und vor allem Mexiko. Allerdings wissen wir beide auch zu gut, wie schwer es sein kann, wenn man von so einem „High“ herunterkommt und sich dann plötzlich in einer neuen Kultur wiederfindet.

Vom Hoch ins Tief: Der schwierige Start in Mexiko

Der Unterschied zwischen Australien und Französisch-Polynesien zu Mexiko war ziemlich hart. Dazu kam, dass wir eine ungemütliche Anreise nach Mexiko hatten, sodass wir total übermüdet um 6 Uhr morgens in Mexiko-Stadt landeten. Zu unserer Freude waren mein Bruder und seine Freundin in der Stadt, was mich das Jetlag und die Tortur vergessen ließ. Rückblickend ließ uns aber genau dieser Fakt ignorieren, dass wir eigentlich etwas Zeit brauchten, um klarzukommen und all die Erlebnisse zu verarbeiten. Genau das führte Leon und mich dann ein paar Tage später in das von uns befürchtete Loch.

Denn nachdem Jan und Chrissi sich von uns verabschiedet hatten, wussten Leon und ich beide, dass wir uns nach Natur und Ruhe sehnten. Wir merkten aber auch, dass wir nicht so recht wussten, was wir mit uns anfangen sollten. Die Stimmung wurde immer betrübter und mündete schließlich in der Dynamik, dass Leon und ich beide nicht mehr so recht in der Lage waren zu entscheiden, was wir machen wollten. Wir zickten uns an und waren nicht mehr im Einklang, sondern überfordert. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr aufs Reisen. Das alles spitzte sich noch weiter zu, als wir beide plötzlich Zukunftsängste bekamen.

Zukunftsfragen und finanzielle Realität – neue Herausforderungen auf der Reise

Bei uns beiden schwirrt inzwischen immer wieder die Frage herum, was wir machen werden, wenn wir zurückkommen. Bis heute haben wir keine so richtige Antwort darauf gefunden – eher grobe Vorstellungen und Träume. Gerade finde ich das absolut okay und weiß, dass sich Dinge ergeben werden. Vor ein paar Wochen machte mich dieses Gefühl aber wahnsinnig, insbesondere diese Ungewissheit.

Dazu kommt, dass Leon und ich während unserer Zeit auf Französisch-Polynesien wirklich viel von unserem Reisebudget ausgegeben haben. Das hatten wir vorher so kalkuliert und erwartet, allerdings schockierte mich der niedrige Kontostand dann doch. Im März mussten wir dementsprechend das erste Mal wirklich auf unser Geld achten. Das macht mich zeitweise besonders nervös, insbesondere weil ich mich mehr nach Unterkünften sehne, in denen ich besonders viel Privatsphäre habe und mich entsprechend wohlfühlen kann. Diese sind allerdings nicht unbedingt in dem Preisniveau, das wir geplant haben, sodass Leon und ich jetzt ein paar Kompromisse eingehen müssen, die wir in Asien nie eingehen mussten.

Zurück zur Balance: Ruhe und Reflexion in Guatemala

In Guatemala angekommen, verspürte ich einfach nur das tiefe Bedürfnis, mich auszuruhen. Ich hatte das Gefühl, dass ich keine weiteren Eindrücke aufnehmen kann und etwas Stabilität brauche. Also verbrachten wir die ersten fünf Tage in Antigua und gönnten uns die Ruhe. Bereits geplant war unser erster Stopp in Guatemala: der Lake Atitlán. Hier angekommen, spürte ich direkt die Ruhe und Energie, die ich so sehr benötigte. Ich nahm mir für ein paar Tage eine eigene Unterkunft ohne Leon und machte nicht viel – außer lesen, schreiben, Yoga und ein paar Workshops zu Tanz und Malerei, die hier am See in Fülle angeboten werden. Ich merkte, wie meine Energie wiederkam.

Das alles wurde getoppt, als ich mich für ein paar Nächte in ein All-Inclusive-Retreat einbuchte, bei dem es einen genauen Zeitplan gab, drei Mahlzeiten am Tag und ganz viele verschiedene Kursangebote – von Meditation über Yoga und Tanzen bis hin zu Aerial Skills. Am Ende dieser Tage beschlossen Leon und ich, dass wir die restliche Zeit in Guatemala nur am See und in Antigua verbringen wollen. Wir merkten, wie gut es tut, mal anzukommen, und lernten innerhalb kürzester Zeit so viele Leute kennen. Ein großer Pluspunkt war, dass wir hier so viele neue Dinge ausprobieren und uns dadurch selbst besser kennenlernen konnten.

Ich merke jetzt, dass ich so in mir ruhe wie lange nicht mehr. Ich spüre, dass bei Leon und mir nochmals eine Veränderung stattgefunden hat und wir durch die Zeit hier besser wissen, was uns guttut und was wir wollen – oder auch, was wir eben nicht wollen.

Dankbarkeit und Vertrauen – Ein Blick auf das kommende Ende der Reise

Ihr merkt also, dass uns gerade ziemlich viele Themen beschäftigen und das anstehende Ende der Reise in drei Monaten noch einmal eine spannende emotionale Wendung mit sich bringt.

Die meisten Leute wissen, dass uns diese Reise auch persönlich wichtig ist, um mehr Klarheit in unser Leben zu bringen – herauszufinden, was wir wirklich wollen, was uns Freude bereitet und vor allem, wie wir leben wollen – abseits dessen, was die Gesellschaft einem vorgibt. Auch wenn wir beide wohl dachten, die Antwort darauf schneller finden zu können, merke insbesondere ich, dass man ihr immer näher kommt. Plötzlich ergeben so viele Dinge Sinn, und plötzlich ist da einfach ein tiefes Vertrauen, dass der Weg das Ziel ist. Deswegen geht es uns beiden gerade trotz dieser Themen so gut wie lange nicht mehr. Wir ruhen in uns und merken beide, dass wir eigentlich gerne länger bleiben würden. Wir sind guter Dinge, dass wir für alles eine Lösung finden werden.

Daher bin ich gespannt, welches Fazit ich in drei Monaten über die gesamte Reise ziehen kann und wo wir dann stehen werden. In jedem Fall kann ich jetzt schon sagen, dass ich extrem dankbar bin – für die letzten sechs Monate und dafür, dass wir die Entscheidung getroffen haben, diese Reise zu unternehmen und uns damit auch in gewisser Hinsicht mit unseren Unsicherheiten zu konfrontieren.

Und damit verabschiede ich mich in den Schlaf und melde mich bald mit einem Beitrag über Guatemala.

Bis dahin,

eure Lena

Übersicht der Länder & Orte, die wir seit dem Start unserer Reise besucht haben:

  • China (Shanghai) & Hongkong
  • Japan (Osaka, Kyoto, Hida & Tokyo)
  • Philippinen (Moalboal & Siquijor)
  • Indonesien (Bali, Lombok & Molukken)
  • Vietnam (Ho-Chi-Minh, Hoi An, Ninh Binh, Hanoi & Ha Giang Region)
  • Thailand (Bangkok, Ko Samui, Ko Jum)
  • Malaysia (Kuala Lumpur) & Singapur
  • Australien (Adelaide, Kangaroo Island & Sydney)
  • Französisch-Polynesien (Tahiti, Moorea & Bora Bora)
  • Mexiko (México City, Tepotzlan & Monterrey)
  • Guatemala (Antigua & Lake Atitlan)

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