3 Monate unterwegs, 12 Monate im Wandel: Mein Jahresfazit
Es ist jetzt fast drei Monate her, dass Leon und ich Deutschland verlassen haben, um diese Reise zu starten. Drei Monate, die sich anfühlen wie ein ganzes Jahr, aber auch wie nur ein einziger Monat. Ein Viertel unserer Weltreise ist vergangen und für mich ein mehr als aufregendes Jahr. Grund genug, um ein kleines Fazit zu ziehen.

Ich sitze gerade in Bangkok in einem kleinen Café, trinke einen Matcha Latte und denke über das vergangene Jahr nach. Was für ein verrücktes Jahr das war. Wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich heute in Bangkok sitze, ohne Plan für meine Zukunft, hätte ich vermutlich gelacht. Denn ein bisschen Plan benötigte ich eigentlich immer. In diesem Moment fühle ich mich allerdings leicht und ganz weit weg von Zukunftsplänen oder Ängsten darüber. Ich freue mich darauf, die nächsten sechs Monate weiterreisen zu können, noch mehr zu erleben und über mich selbst erfahren zu dürfen. Doch so leicht, wie ich das gerade schreibe, war es natürlich nicht. Eher im Gegenteil: 2024 war eine emotionale Achterbahn für mich, geprägt von Ängsten, Zweifeln, aber auch wunderschönen und befreienden Momenten.
Ein Rückblick auf die ersten neun Monate des Jahres
Doch wie hat alles angefangen? Pünktlich zum Jahresanfang, also am 1. Januar, bin ich mit Ohrenschmerzen aufgewacht, die mich den gesamten Monat begleiten sollten. Trotz Schmerzen und dem Gefühl, nicht ganz fit zu sein, flog ich ein paar Tage später mit dem Management-Team von reisetopia in die Toskana. Ich ignorierte meinen Körper und lag als Retourkutsche dafür fast den ganzen Monat flach. Dazu plagte ich mich mit Gewissensbissen, meinen Körper und mich nicht genug ernst zu nehmen. Ein mehr als mental und körperlich anstrengender Monat, der rückblickend für mich der Auslöser war, mein aktuelles Leben und meine Handlungen in Frage zu stellen.
Im Februar machte ich mir dann selbst eines der größten Geschenke meines Lebens: eine Solo-Reise nach Sri Lanka, bei der ich mir selbst einen ganzen Monat nur für mich schenkte und dabei viel über mich, meine Überzeugungen, Ängste und vieles mehr nachdachte. Ich lernte Dinge über mich, vor denen es vorher einfach war, die Augen zu verschließen, und kehrte zurück mit einem eigenen Versprechen an mich selbst: mich selbst ernst zu nehmen und meiner inneren Stimme zu vertrauen.

Im März merkte ich nach meiner Rückkehr relativ schnell, dass das Leben, das ich in Berlin führe, sich gerade nicht erfüllend für mich anfühlt und nicht mehr meinen Bedürfnissen entspricht – auch wenn es eigentlich alles hatte, was ich mir immer wünschte. So habe ich eine der bisher schwierigsten Entscheidungen meines Lebens getroffen und meinen Job bei reisetopia gekündigt. Damit einher kamen Selbstzweifel, Angst vor der Ungewissheit und vor allem der Abschied von etwas, das mir unglaublich viel bedeutete.
Dies zog sich durch den April, in dem ich dann entscheiden musste, wann ich meinen Job verlasse, wie es weitergeht und was das für mein weiteres Leben bedeutet. In einer Spirale von Overthinking gefangen, begann mein Körper, sich extrem dagegen zu wehren, und ich wachte teilweise mit Schmerzen in meinen Beinen, in meinem Hals und eigentlich an meinem ganzen Körper auf. Ich war nicht krank, sondern meine Sorgen machten mich krank.
Im Mai traf ich dann ein paar wichtige Entscheidungen, erlebte ein paar wundervolle Momente in meinem Job und auch privat (ein Speaker-Auftritt mit meinem ehemaligen Chef, eine verrückte Luxusreise nach Argentinien und Brasilien mit Amex und ein sehr wohltuender Trip mit Freunden nach Italien), sprach mit immer mehr Personen über meinen sich ändernden Lebensabschnitt und schaffte es so, meinen Blickwinkel auf die Dinge zu ändern. Ich vertraute meiner Entscheidung, schöpfte Motivation, akzeptierte die Situation und fand Zuversicht. Dem Leben etwas mehr zu vertrauen und die Kontrolle etwas mehr loszulassen. Das zog sich durch den Juni und Juli, bis es wirklich hieß, Abschied von meinem Job zu nehmen und damit in eine ungewisse Zeit in meinem Leben einzutauchen. Die Firma, in die ich über 4,5 Jahre mein Herzblut gesteckt habe, die Leute, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe, und auch meine Position (ja, das Ego spielt da auch mit!) aufzugeben, tat mir extrem weh. Zeitgleich hat es mich aber auch erleichtert, weil ich wusste, dass dieser Schritt nötig war. Rückblickend weiß ich, dass ein Abschied, so schwer er auch ist, manchmal das Wichtigste ist, um sein eigenes Wachstum zu fördern.

Im August stand ich also erst mal vor der großen Frage: Was mache ich jetzt? Ich versuchte, nicht in ein Loch zu fallen, und füllte meine Zeit mit Aufgaben, mit Dingen, die ich schon lange machen wollte. Aber auch mit Dingen, die ich kaum in Berlin gemacht habe, wie unter der Woche einfach an den See zu fahren. Der Anfang fiel mir nicht wirklich leicht, denn das Loch und die Gefühle, nicht mehr gut genug zu sein, kamen ganz von allein. Doch nach einer Zeit stellte sich irgendwann ganz automatisch das Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit ein. Das Leben pendelte sich ein, und somit auch meine Arbeitslosigkeit, die sich eher anfühlte wie ein längst überfälliger Urlaub, den ich mir selbst schuldete. Ich genoss mein Leben in Berlin und lernte die Stadt wieder zu lieben, bevor es Ende September dann auch hier hieß, Abschied zu nehmen. Sich von Freunden, Familie und unserer Wohnung in Berlin zu verabschieden, tat erneut weh – allerdings lag eine so aufregende Zeit vor uns, dass sich die Gefühle dazu minütlich änderten. Bis hierhin war das Jahr bereits verrückt genug. Meine innere Reise verrückt genug. Meine äußeren Reisen verrückt genug. Mein Leben eine Achterbahnfahrt – und diese sollte sich noch einmal beschleunigen.
Ein Rückblick auf das erste Viertel der Weltreise
Die ersten drei Monate unserer Weltreise sind jetzt vorbei, und ich kann gar nicht glauben, was wir in dieser kurzen Zeit alles erlebt haben. Die Monate brachten uns wunderschöne und unvergessliche Momente, aber mindestens genauso viele unerwartete Situationen, die uns herausforderten und unsere Perspektiven änderten. Im Oktober reisten wir durch Japan, nach Shanghai und auf die Philippinen. Wir reisten in einer Schnelligkeit, die zu unserem vorherigen Leben passte – schnell merkten wir aber, dass sie dem neuen Leben nicht mehr entspricht. Wir merkten, dass es uns schwerfiel, Entscheidungen zu treffen und schlechtes Wetter zu akzeptieren. Und wir merkten, dass wir auf der Suche nach Abenteuern abseits von großen Touristenmassen sind. Im November reisten wir durch Indonesien fanden wir uns langsam in die Reise ein und merkten, dass wir doch viel mehr aufeinandersitzen, als zuvor in Berlin. Wir haderten damit, einander Freiraum zu geben, und lernten, deutlich ehrlicher und aufrichtiger zu kommunizieren. Wir erlaubten uns zudem zum ersten Mal, länger an einem Ort zu sein und weniger touristischen Dingen nachzugehen, sondern den Dingen, die uns Spaß bereiteten. Manchmal verbrachten wir einen Tag nur mit Yoga, Surfen, Essen und Chillen, und das war gut so.



Wir arbeiteten das erste Mal auf unserer Reise, während wir einem Schweizer Pärchen mit ihrem Hotel weiterhalfen, und bemerkten schnell, dass unser Fokus doch auf dem Reisen liegen sollte. Der Dezember war daher für uns geprägt von Abenteuern und der Akzeptanz des Unperfekten. Wir versuchten, Entscheidungen anders zu treffen und wirklich die Dinge zu machen, die uns begeistern. Dinge anders anzugehen und unsere Überzeugungen dabei etwas links liegenzulassen. Wir feierten Weihnachten so anders, als wir uns es vorgestellt hatten, und versuchten genau darin das Wertvolle zu erkennen. Als Geschenk dafür bekamen wir wirklich einmalige Momente und Überraschungen, die uns mit tiefster Dankbarkeit erfüllten. Inzwischen reisen wir so anders als noch vor drei Monaten, und es fühlt sich richtig gut an. Ich liebe es gerade, hier in einem Café zu sitzen und zu schreiben, anstatt bei 32 Grad durch die Stadt zu rennen und mir alle Sehenswürdigkeiten anzusehen. Der Dezember war damit in jeder Hinsicht anders, als wir es erwartet hatten – und genau deswegen wohl einer der schönsten und überraschendsten Monate des Jahres.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle noch ein bisschen mehr zum Dezember und unserer Zeit in Vietnam erzählen. Allerdings ist der Text jetzt schon so lang, dass ich es damit belasse, den Kreis zu meinem Jahresrecap zu schließen. Denn ja: Dieses Jahr war eine absolute Achterbahnfahrt der Gefühle. Es war nicht einfach, und es war nicht immer schön. Aber es war das Jahr, in dem ich mich Anfang des Jahres dazu entschloss, endlich mich, meinen Körper und meine Bedürfnisse als wichtiger zu sehen als andere Dinge in meinem Leben. Wichtiger als die vielen Erwartungen, die an einen im Leben gestellt werden, und die vielen Normen, an die man sich im Laufe der Zeit angleicht.
Es war damit auch das Jahr, in dem ich tatsächlich auf Entscheidungen zurückblicke, die ich nur für mich selbst und für niemanden anderen (außer Leon) getroffen habe. Das Jahr, in dem ich mich für ein Leben der Ungewissheit entschlossen habe – und damit auch für ein Leben voller Möglichkeiten. Ein Leben, in dem ich jetzt erkunden darf, wie ich es im Einklang mit meinen Bedürfnissen und Wünschen gestalten möchte. Und genau dieses Thema ist es, das mich 2025 sicherlich am meisten begleiten wird.
Und damit wünsche ich euch allen einen guten Rutsch bzw. ein tolles neues Jahr und freue mich auf noch mehr Erlebnisse, die ich im Jahr 2025 mit euch teilen darf.
Bis bald,
eure Lena
P.s.: Neben all diesen persönlichen Themen bin ich mehr als dankbar, zeitgleich so viele tolle Orte von der Welt gesehen zu haben – zumeist gemeinsam mit sehr vielen tollen Menschen. Dazu gehören die Toskana, Sri Lanka, Luxemburg, Lago d’Iseo, Rio de Janeiro, Argentinien mit Buenos Aires und Iguazu, Südtirol, Wien, Bayern, Barcelona und all die restlichen Orte der Weltreise.

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