Hallo ihr Lieben,
wie ihr dem Titel schon entnehmen könnt, haben Leon und ich die letzten paar Tage anders verbracht, als wir dachten.
Als wir uns dazu entschieden hatten, nach Japan als Nächstes auf die Philippinen zu fliegen, hatten wir eine klare Vorstellung: Sonne, Meer & endlich chillen. Denn sowohl Leon als auch mir war klar, dass wir etwas weniger „tun“ wollen und mehr entspannen. So richtig im Reisen ohne Pläne ankommen. Das war schließlich eines unser Vorhaben der großen Reise. Statt Sonne, Meer & chillen, hieß es dann leider Regen, Sturm & Entscheidungen treffen. Ein Strich durch die Rechnung hat uns Taifun Kristine gemacht.
Leon und ich saßen gerade auf der Veranda unserer Airbnb in Moalboal auf der Insel Cebu, als wir unseren Host zu einem anderen Besucher-Pärchen sagen hörten, dass ein Taifun kommt und es deswegen in den nächsten stürmisch wird. In diesem Moment raschelten die Palmenblätter in unserem wunderschönen Garten auf den wir blickten, schon leicht. Von einem Taifun war wenig zu spüren.

Daher warfen Leon und ich einen Blick auf die sehr hilfreiche App Windy, die uns dann das Ausmaß der Worte unseres Hosts deutlich machen sollte. Denn für mehrere Tage sagte die App Sturmböen zwischen 20 bis 40 km/h voraus sowie vieeeel Regen. Das war der Moment unserer ersten Enttäuschungswelle. Denn bereits am Vortag und damit am ersten Tag unserer Reise hatte es am späten Nachmittag schon extrem das Regnen angefangen. Die zweite Enttäuschungswelle brach dann über uns hinein, als Leon und ich bemerkten, dass wir unsere Weiterreise auf die südlich gelegene Insel Siquijor wohl gar nicht antreten können, da dann keine Fähren mehr fahren. Dort sollte der Wind noch viel stärker und die Wellen über zwei Meter hoch sein. Leons erster Impuls: „Wir fahren jetzt noch schnell los und versuchen, die letzte Fähre nach Siquijor zu bekommen“. Meiner: „Stopp, nicht so schnell“. Daraus wurde eine lange Diskussion, die uns letztlich zu dem Entschluss brachte, weiter auszuharren und später nach Siquijor zu fahren, wenn sich das Wetter wieder beruhigt. Immerhin waren wir noch bei Sonnenschein im Meer schwimmen und sogar mit den berühmten Sardinenschwärmen bei Moalboal schnorcheln.


Warum erzähle ich das so im Detail? Weil es Leon und mir vorgehalten hat, wie viele Entscheidungen wir in den nächsten Monaten noch treffen werden, die unsere Reise maßgeblich beeinflussen. Denn während ich schon drauf und dran war, den nächstbesten Flieger nach Bali zu buchen, wollte Leon an den Philippinen festhalten und daran, dass wir diese doch noch bei gutem Wetter sehen.
Inzwischen schreibe ich diese Zeilen aus Siquijor und bin froh, dass wir einen Mittelweg gegangen sind – auch, wenn es den Großteil des Tages regnet. Die Bootsfahrt dahin war bumpy und erfüllte uns erst mit Angst. Am Ende war es doch ganz lustig und wir haben etwas erlebt. Was Leon und ich nämlich auch lernen durften: Wir sind hier auf einer neunmonatigen Reise, die jetzt unser Leben ist, und nicht in einem Urlaub, wo jeder Tag besonders toll sein muss. Als wir beide das akzeptiert haben, hat sich unsere Wahrnehmung schlagartig verändert. Plötzlich war der Regen nicht mehr schlimm, sondern eher wie ein Geschenk. Wir genossen es mal gar keine Pläne zu haben, ewig zu reden und zu lesen. Ein Gefühl von Langeweile haben wir bisher nicht verspürt, denn dazu fällt Leon und mir auch immer zu viel ein, was wir tun könnten. Wie diese Zeilen zu schreiben.
Und da ich gerade dabei bin, will ich natürlich auch noch darauf eingehen, wie mir die Philippinen bisher gefallen. Trotz Regen und Sturm.
Leon und ich hätten uns wohl kaum einen härteren Kontrast im asiatischen Raum zu Japan aussuchen können als die Philippinen, denn hier ist es alles andere als sauber oder geordnet. Das Essen ist nicht besonders gut, und die Leute würde ich als forscher und deutlich lauter bezeichnen.
Ich habe Leon immer gesagt, dass die Philippinen für mich im ersten Moment wie ein Mix aus Thailand und Kolumbien wirken. Da sind diese wunderschönen Strände mit türkisblauem Meer und weißem Sandstrand (von denen wir bisher nur einen gesehen haben). Da ist aber auch dieses sehr roughe, mit Wellblechhütten und Mini-Häusern, in denen eine Großfamilie wohnt. Vor jedem Haus steht gefühlt ein Gettoblaster aus dem spanische und sehr laute Musik dröhnt. Auf den Straßen gibt es unzählige Hunde und Müll haben wir in der kurzen Zeit auch zur Genüge gesehen. Was mich leider sehr schockierte, gerade weil ich das in Asien bisher eher weniger erlebt hatte, ist, dass catcalling hier ein großes Thema ist. Ich war nur einmal für eine halbe Stunde ohne Leon unterwegs und da wurde mir schon „Maam I love you“ und Ähnliches hinterhergerufen. Leider sagt das für mich sehr viel über eine Kultur in einem Land aus.
Trotz allem empfand ich alle Filipinos bisher als extrem hilfsbereit und nicht aufdringlich. Man merkt, dass sie auf Touristen angewiesen sind und jedem Besucher auch extrem dankbar sind. Glücklicherweise ist hier Englisch gar kein Problem, was die Verständigung um einfaches vereinfacht und dafür sorgt, dass man sich immer verstanden und gehört fühlt.
Besonders beeindruckend bleibt mir ein Besuch in einem animal welfare center im Kopf, bei dem sich ein Filipino-Paar der Aufgabe angenommen hat, einen Hunde-Shelter mit 90 geretteten Hunden zu führen. Die Regierung möchte damit nichts zu tun haben und gibt keine Unterstützung, daher sind Touristen ihre einzige Einnahmequelle und Volontäre der einzige Weg, den Hunden eine bessere Versorgung zu geben. Die Geschichten, die uns dort über teilweise misshandelte Hunde erzählt wurden, haben leider mein Herz ein bisschen gebrochen.
Bisher haben wir außer Moalboal und ein wenig von Siquijor bisher nicht viel gesehen, deswegen lässt sich abschließend weder ein Fazit ziehen noch die Kultur bewerten. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen wirklich schöneres Wetter bekommen und dann endlich den Island-Vibe spüren dürfen. Dann gibt es auch noch ein paar schönere Bilder und hoffentlich ein paar positivere Worte von meiner Seite. Leon und ich genießen trotzdem unsere Zeit und merken, dass wir beide auch gebraucht haben, einfach mal ein paar Tage nichts zu tun.
In diesem Sinne, bis ganz bald!
Eure Lena
P.s.: Natürlich gibt es noch mehr Bilder!
















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